Digitaler Karrieretag

Bewerben per Live-Stream

Es war ein Experiment. Und es ist gelungen. Vier Stunden lang funkte gestern der digitale Agrar-Karrieretag von Schloss Montabaur, dem Sitz der Akademie Deutscher Genossenschaften, in die Hochschulen und auf die Computer in Agrar-Hochburgen.

Live-Stream in ganz Deutschland

Geboten wurde ein Nachmittag mit Diskussionsrunden zum Jobeinstieg und zur Digitalisierung der Berufswelt, Firmenpräsentationen und konkreten Stellenausschreibungen. Studenten in Göttingen, Gießen, Bonn oder Kiel ließen sich per Skype zur Agrar-Challenge herausfordern und auf Twitter und Facebook kommentierten die Veranstalter und Interessierte das Geschehen. "Wir verlagern die klassische Jobbörse in die digitalisierte Welt. Wir haben per Live-Stream in ganz Deutschland gesendet", erklärt AgroBrain Geschäftsführer Stefan Krämer. 

Immer noch Respekt vor dem Internet

Dass die Agrarbranche noch nicht so sehr auf die Digitalisierung vorbereitet ist, wie sich das manche wünschen, verdeutlichten die Diskussionsrunden. Es sei gar nicht so leicht gewesen, intern grünes Licht für die Teilnahme an dem digitalen Agrar-Karrieretag zu bekommen, erklärt Grit Worsch, Vorstandsvorsitzende VR Plus Altmark-Wendland und neue DRV-Vizepräsidentin. Sorgen bereitete vor allem der Live-Charakter des Internets und die Angst vor einem Shit-Storm. Bei Thema digitales Rekruiting zeigte sich, dass es an der Zeit wäre, Standards zu definieren, beispielsweise, welche Plattformen angeschaut werden sollten, um sich vorab ein Bild von Bewerbern zu machen.

Gute Resonanz
AgroBrain ist mit dem Auftakt sehr zufrieden. Nach eigenen Angaben hat das Rekruiting-Unternehmen auf You Tube rund 1.000 und auf Facebook rund 100.000 Interessierte erreicht. In den Hochschulen verfolgen rund 100 Studenten per Skype den digitalen Karrieretag. Von einen Shit-Storm war weit und breit keine Spur. Warum auch?
Bei der Frage Xing ja - Facebook nein? geht es konkret um eine Grenzziehung zwischen beruflich und privat. Vanessa Funken, bei der RWZ für das Personalmarketing verantwortlich, sagt, dass das Sichten von Facebook-Einträgen bei ihrer Genossenschaft zum Standard gehöre. Und sie relativiert aber auch gleich wieder. Das mache vielleicht 5 Prozent des Gesamteindrucks eines Bewerbes aus. Entscheidend sei der persönliche Eindruck und der ließe sich durch die Digitalisierung nicht ersetzen. 

Der digitale Agrar-Karrieretag entstand in Kooperation mit dem VDL Berufsverband und der agrarzeitung als Medienpartner. (kbo)


stats