Pflanzenschutz

Biologische Bekämpfung ist kompliziert

Naturnahe Lebensräume spielen in Agrarlandschaften eine große Rolle für die Artenvielfalt und die Aufrechterhaltung wichtiger Ökosystemfunktionen. Im Gegensatz zu Ökologen teilen Landwirte diese Wertschätzung naturnaher Lebensräume aber oft nicht. Göttinger Agrarökologen haben zusammen mit einem internationalen Expertenteam untersucht, wann naturnahe Lebensräume nicht zur biologischen Schädlingsbekämpfung beitragen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Biological Conservation erschienen.

Nebeneinander von Ackerflächen manchmal besser

Studien zeigen, dass die relative Bedeutung von naturnahen Lebensräumen für die Schädlingsbekämpfung je nach Situation unterschiedlich ausfallen kann. „Beispielsweise spielt die Kontinuität der Nahrungsversorgung über die ganze Vegetationsperiode eine wichtige Rolle für natürliche Gegenspieler – und kann durch ein geeignetes Nebeneinander von Ackerflächen in bestimmten Fällen besser realisiert werden“, so Prof. Teja Tscharntke, Leiter der Abteilung Agrarökologie und Erstautor der Studie. „Außerdem profitieren manche Schädlinge mehr von der Nachbarschaft zu einem anderen Acker als von einer Nachbarschaft zu naturnahen Flächen. Oder sie profitieren davon, dass ihre natürlichen Gegenspieler durch die landwirtschaftliche Praxis geschädigt werden, zum Beispiel durch den Einsatz von Pestiziden“, so Prof. Tscharntke.

Gegenspieler leiden auf dem Acker unter Pestiziden

Manchmal ziehen es auch die natürlichen Gegenspieler vor, in den naturnahen Flächen zu bleiben, wohingegen die Schädlinge sie als Ausgangspunkt für die Ackerbesiedlung nehmen. Eindeutig ist das der Fall, wenn Gegenspieler zwar den Acker besiedeln, aber wegen der Ausbringung von Pestiziden keine Wirkung entfalten können. Prof. Tscharntke betont, wie wichtig ein breit gefächerter Blick auf Erfolge und Misserfolge in der biologischen Schädlingsbekämpfung ist: „Neue Ansätze thematisieren, dass die exakte Zusammensetzung des Landschaftsmosaiks für die natürliche Kontrolle von Schädlingen von großer Bedeutung sein kann." Aber auch die Resistenz von Nutzpflanzen, das Unkrautmanagement und der Agrochemikalieneinsatz spielten eine wichtige Rolle. (SB)
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