Die Entwicklung des Hausschweins in den letzten 100 Jahren steht im Zentrum eines neuen Forschungsprojekts. Gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern wollen Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) erforschen, wie sich das Hausschwein in dieser Zeit genetisch und körperlich verändert hat. Auch die Kulturgeschichte des Schweins und ethische Aspekte werden in dem Projekt beleuchtet. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt in den nächsten drei Jahren mit rund 490.000 €.

Zuchtziele veränderten sich

Untersucht werden zwei in Deutschland typische Hausschweinerassen, die bis heute erhalten sind. Die Zucht von Schweinen ist sehr komplex, da verschiedene Aspekte miteinander vereinbart werden müssen. Schweine sollen möglichst robust sein, schnell wachsen und viele lebende Nachkommen gebären und aufziehen. Diese Eigenschaften lassen sich aber selbst über aufwendige Kreuzungen nicht nach Belieben miteinander kombinieren. Weiter unterscheiden sich die Zuchtziele regional und je nach den Wünschen von Konsumenten und Landwirten. Deshalb und auch als Reaktion auf Trends in der Ernährung verändern sich die gezüchteten Schweine im Laufe der Zeit immer wieder: Früher wurden vor allem Fettschweine gezüchtet, heute ist mageres Fleisch viel gefragter.

Skelette aus dem Museum für Haustierkunde

Die Forscher wollen nun herausfinden, ob sich die Folgen dieser Entwicklungen im Erbgut und Körperbau der Schweine beobachten lassen. Die Anfänge der Schweinezucht vor 200 Jahren und ihre Folgen für die Tiere sind dabei bereits gut erforscht. Anders sieht es mit den Veränderungen der Schweine während der letzten 100 Jahre aus. Um diese Lücke zu schließen, werden rund 60 historische Schweineskelette sowie deren Erbgut mit heutigen Exemplaren verglichen. Die historischen Proben stammen aus der Sammlung des Museums für Haustierkunde „Julius Kühn" der MLU, das einen weltweit einzigartigen Bestand aus präparierten Haus- und Wildtieren sowie deren Skeletten beherbergt.

Ausstellung geplant

Über moderne Verfahren der sogenannten Geomorphometrie lassen sich etwa die Schädelform und Knochendicke genau bestimmen und vergleichen. Außerdem werden DNA-Analysen und -Vergleiche durchgeführt und die Wissenschaftler beschäftigen sich mit kulturhistorischen und tierethischen Fragen. Neben wissenschaftlichen Publikationen ist auch eine Sonderausstellung zum Thema "100 Jahre Schweinezucht" geplant. Darüber hinaus soll ein internationales Netzwerk für Haustierkunde etabliert werden. (az)
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