Der 12. Jahrgang des Traineeprogramms Ökolandbau hat sich mit den aktuellsten Themen der Biobranche beschäftigt. Die 25 Teilnehmer stellen ihre Ergebnisse nun anhand von vier bearbeiteten Kernfragen vor:

1. Wie kann man die Biobauern der Zukunft gewinnen?
2. Soll die Ökonische klein bleiben oder sich dem Mainstream annähern?
3. Welche Rolle spielt Tierhaltung im Biolandbau der Zukunft?
4. Wie können ‚Bio‘ und ‚Regional‘ Hand in Hand gehen?

Über vier Monate haben die Trainees Antworten auf diese Fragen gesucht. Ein eigens produzierter Kurzfilm gibt einen ersten Überblick über die Themen. Darüber hinaus bieten vier Positionspapiere detaillierte Hintergrundinformationen.

Wie kann man die Biobauern der Zukunft gewinnen?

Das Projektteam geht in diesem Positionspapier zuerst auf die Veränderung innerhalb der ökologischen Landwirtschaft seit deren Entstehung ein. Heutige Junglandwirte im Ökosegment stehen in einem komplexen Spannungsfeld zwischen natürlichen Rahmenbedingungen, wie Klima und Bodenqualität, sowie der Abhängigkeit von ökonomischen Zwängen. Darüber hinaus spitzt sich die Situation am Bodenmarkt zu, sodass der Zugang zu Agrarflächen zunehmend schwieriger wird. Am Ende der Ausarbeitung steht auch ein Appell an Politik und Gesellschaft: Die Förderung muss erhöht, der Zugang zu Bildung vereinfacht werden. Auch das Ansehen von ökologischer Bewirtschaftung müsse ein positiveres Bild bekommen.

Soll die Ökonische klein bleiben oder sich dem Mainstream annähern?

Dass sich die Biobranche in konkurrierende Lager spaltet und zudem in starker Konkurrenz zur konventionellen Landwirtschaft steht, sieht das Projektteam als große Gefahr für die Zukunft des Ökolandbaus. Die Trainees fordern eine stärkere Zusammenarbeit zwischen ökologisch und konventionell wirtschaftenden Landwirten bis hin zur Etablierung eines gemeinsamen Bauernverbands. Auch sei eine öffentliche Diskussion anzustoßen, bei der Erzeuger und Verbraucher gemeinsam über gesellschaftliche Werte und Ziele beraten. Das schaffe eine größere Planungssicherheit für Bauern, unabhängig von ihrer Arbeitsweise.

Welche Rolle spielt Tierhaltung im Biolandbau der Zukunft?

Diese Frage bearbeiten die Projektteilnehmer anhand des Beispiels einer Putenzucht. Die Trainees erklären, dass der Ökolandbau seiner Vorreiterrolle in Sachen Innovation und Entwicklung treu bleiben müsse. Der Fokus sei hier auf die Zucht von Rassen zu legen, die an die Haltungsbedingungen des ökologischen Landbaus angepasst sind. Darüber hinaus sollen Verbraucher den Verzehr von Geflügelfleisch reduzieren und verstärkt auf das Fleisch von Wiederkäuern zurückgreifen. Dadurch, dass diese sich hauptsächlich von Grünfutter ernähren, sei hier die Gefahr der Nahrungskonkurrenz zum Menschen nicht gegeben. Als allgemeinen Punkt fordert die Projektgruppe die stärkere Aufklärung der Konsumenten für die Schwierigkeiten der aktuellen Bio-Geflügelhaltung.

Wie können ‚Bio‘ und ‚Regional‘ Hand in Hand gehen?

Bei der Bearbeitung dieser Frage stellt sich schnell heraus, dass Regionalität zurzeit im Trend liegt. Unabhängig von der Art der Produktion bevorzugen Konsumenten regionale Produkte und zahlen dafür auch höhere Preise. Das Problem liegt in der mangelnden Kennzeichnungspflicht. Optisch unterscheiden sich Produkte kaum noch voneinander und werden auch mit den gleichen, heimatverbundenen Adjektiven beworben. Die Projektteilnehmer betonen, dass auf dem Gebiet der Direktvermarktung Bioverbände prädestiniert wären, beratend zur Seite zu stehen. Durch passendes Marketing könnte sich der Ökolandbau noch besser mit seinem Sortiment von der Konkurrenz abheben.

Hintergrund

Das Traineeprogramm Ökolandbau wird im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) durchgeführt. Das einjährige Ausbildungsprogramm bietet Hochschul- und Fachhochschulabsolventen einen qualifizierten Einstieg in die Biobranche. Der 13. Jahrgang beginnt am 1. November 2015.

Der Kurzfilm und die Positionspapiere sind online einzusehen. (atm)
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