Die Stimmung auf der in Göttingen abgehaltenen Fachberatertagung war verhalten: 2016 sei für die Landwirtschaft ein Jahr der großen Einschnitte und Wandlungen gewesen, bilanzierte der Präsident der Niedersächsischen Landwirtschaftskammer, Gerhard Schwertje.  „Die Landwirtschaft durchlebt dramatische Zeiten – wesentliche Sparten arbeiten seit Monaten unter schmerzhaften wirtschaftlichen Einbußen: Milch, Schweine, Getreide.“

Außerdem seien neue Vorschriften für Tierhaltung, Düngung und Pflanzenschutz eine Herausforderung. Unter anderem ist die Debatte um Glyphosat nach wie vor ein wichtiges Thema für die Landwirte. Horst Henning Steinmann vom Zentrum für Biodiversität und nachhaltige Landnutzung an der Uni Göttingen riet: „Die Landwirte sind gut beraten, Glyphosat künftig sparsam einzusetzen und andere ackerbauliche und mechanische Unkrautbekämpfungsverfahren weiterzuentwickeln.“

Während Schwetje trotz vieler Krisenherde auch Hoffnungsschimmer sieht und zumindest für die Milchindustrie die Talsohle als überschritten bewertete, zeichneten andere ein sehr negatives Bild: „In der Krise hat sich die Lage auf vielen Höfen bis zum Unerträglichen zugespitzt“, so Thomas Dosch, Leiter der Abteilung Landwirtschaft, EU-Agrarpolitik und Agrarumweltpolitik im Landwirtschaftsministerium.

Mehr Verständnis und Wertschätzung für die Landwirtschaft

Unterdessen warb der Bauernverband für mehr Verständnis und Wertschätzung von Seiten der Verbraucher. „Wir Landwirte arbeiten mit Fleiß und Herzblut“, berichtete Ulrich Löhr, Vizepräsident des Landvolks in Niedersachsen. „Wir haben die Erwartung, dass der Verbraucher unsere Leistungen zum einen mit auskömmlichen Preisen honoriert, zum anderen im praktischen Umgang die Produkte respektiert – dann landet auch weniger in der Tonne.“

Auf der Beraterhochschultagung in Göttingen kamen 120 Fachberater landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Betriebe für Fortbildungen und Diskussionen zusammen. Veranstalter waren die Landwirtschaftskammer, die Landwirtschaftliche Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen, das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, die Arbeitsgemeinschaft der Beratungsringe Weser-Ems und das Landvolk Niedersachsen. (lm)
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