Der Deutsche Hochschulverband (DHV) will Betrügereien in der Wissenschaft härter bestraft sehen. Die Vertretung von 27.000 Wissenschaftlern plädiert für Freiheitsentzug. „Wissenschaftsbetrug ist kriminell,“ sagt DHV-Präsident Prof. Bernhard Kempen. Der Verband wendet sich mit diesem Vorstoß vor allem gegen die Branche der Promotionsberater. Sie steht in Verdacht, kommerziell Dissertationen, aber auch Bachelor- und Masterabschlussarbeiten zu verfassen. Das gehe zu Lasten der großen Mehrzahl der Akademiker, die ihre akademischen Grade rechtmäßig durch Leistung erworben hätten, so Kempen.

Um der Entwertung akademischer Grade einen Riegel vorzuschieben, müssten die Abschreckungsinstrumente geschärft werden. Der Verband schlägt vor, den Straftatbestand „Wissenschaftsbetrug“ zu schaffen. Zur Höhe des Strafmaßes gibt es auch schon konkrete Vorstellungen. Sowohl der Blender als auch der Ghostwriter sollen mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe rechnen müssen.

Schätzungen zufolge werden bis zu 2 Prozent aller Dissertationen unter tatkräftiger Mitwirkung von Promotionsberatern verfasst, heißt es von Seiten des DHV. Laut einer dpa-Meldung gehen Experten davon aus, dass sogar etwa jede dritte Doktorarbeit in den Fachbereichen Jura und Wirtschaftswissenschaften von Ghostwritern  stammen soll. Die bisherigen Sicherheitsvorkehrungen innerhalb der Universitäten, wie stärkere Einbindung, Kontrolle und Betreuung der Doktoranden oder das Verlangen einer eidesstattlichen Erklärung reichten nicht aus. (az)
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