Universität Rostock

Fische und Pflanzen aus einer Hand

Aquaponik
Als Aquaponik bezeichnet man den Aufbau einer gleichzeitigen Fisch- und Pflanzenproduktion. Dieses Verfahren ist alt und gleichzeitig ganz neu. Seit Jahrhunderten ist es in Südostasien üblich, mit dem nährstoffreichen Abwasser aus Teichen Pflanzen zu düngen. Es ist aber bisher noch nicht versucht worden, in einem geschlossenen Kreislauf, Fisch aus Aquakultur zu produzieren und gleichzeitig hochwertige Pflanzen für den Verkauf bereit zu stellen. Durch zwei Produktionsschritte in einem Verfahren erhöht sich die Wertschöpfung, da die Jungpflanze kultiviert und gleichzeitig das Wasser durch die Aufnahme von Nährstoffen durch die Pflanze gereinigt und dem Fischkreislauf wieder zugeführt wird. Dieser Arbeitsschritt ist bisher noch nie in einem Umfang getestet worden, der eine kommerzielle Nutzung ermöglicht.
Das Projekt „Aquaponik“ wird vom Land Mecklenburg-Vorpommern mit 507.000 € unterstützt. „Aquakultur wird in den nächsten Jahren angesichts leer gefischter Meere eine immer wichtigere Rolle für die menschliche Ernährung und die Versorgung mit hochwertigem Eiweiß spielen“, kommentiert Landwirtschaftsmister Till Backhaus das Projekt. Der besondere Reiz in diesem Vorhaben liege in der Nutzung der nährstoffreichen Wässer, um hochwertige Pflanzen wie Kräuter oder Zierpflanzen herzustellen. Am Ende soll ein praxistaugliches Verfahren stehen, das viele Landwirte übernehmen können.

Afrikanische Welse besonders geeignet

Die Universität Rostock ist seit Jahren im Bereich Aquakultur und Sea-Ranching aktiv und hat einen eigenen Lehrstuhl in diesem Studienfeld aufgebaut. Nach mehreren Jahren intensiver Versuche und Testläufe mit verschiedenen Arten und unter verschiedenen Haltungsbedingungen konnte die Produktion von Fischen in geschlossenen Kreisläufen erfolgreich etabliert werden. Afrikanische Welse haben sich dabei als besonders geeignet für eine Haltung in der Aquakultur erwiesen. „In 2014 wurden bereits mehr als 1.000 t Welse in Mecklenburg-Vorpommern produziert. „Aufgrund der steigenden Nachfrage nach gesunden und regional produzierten Lebensmitteln zu konkurrenzfähigen Preisen besteht hier hohes Entwicklungspotential“, so Backhaus.

Modulares Gewächshaussystem im FischGlasHaus

Aufgrund der komplexen Fragestellungen, denen im Rahmen des Projektes nachgegangen werden soll, bündeln Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft ihr Know-How. Über die Genossenschaft Fischgut Nord sind beispielsweise landwirtschaftliche Betriebe in das Projekt involviert. Ein örtlicher Gartenfachbetrieb, die Fisch und Feinkost Handelsgesellschaft sowie die Universität Rostock vervollständigen das Team. Das FischGlasHaus, in dem ein wesentlicher Teil des Projektes umgesetzt werden soll, ermöglicht ein europaweit einmaliges modulares Gewächshausanbausystem zur aquaponischen Produktion von Warmwasserfischarten mit dem Ziel, den Ressourcenverbrauch zu minimieren. (SB)
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