Phytotechnikum

Forschen unter einem Glasdach

Klimawandel, Biodiversität, Welternährung, Bioenergie, Nachwachsende Rohstoffe, Pflanzenkrankheiten - zu diesen Themenkomplexen werden die Wissenschaftler der Universität Hohenheim bald schon in einem neuen Hightech-Forschungsgewächshaus auf den Grund gehen. 8,3 Mio. € soll allein der erste Bauabschnitt kosten. Möglich wird er dank einer Spende von 4 Mio. €, mit der die Carl-Zeiss-Stiftung rund die Hälfte der Baukosten finanziert. Weitere 4 Mio. € übernimmt das Land Baden-Württemberg, 300.000 € die Universität Hohenheim. Damit unterstützen Carl-Zeiss-Stiftung und Land auch die Bioökonomie-Strategie, den interdisziplinären Schwerpunkt der Universität Hohenheim, teilte die Hochschule mit. Baubeginn könnte bereits Frühjahr 2016 sein.

Brücke zwischen Grundlagenforschung und Wirklichkeit

Im Inneren des Gewächshauses befindet sich Technik nach aktuellem State of the Art: computergesteuerte Klimaregelung und Bewässerungsautomatik, eine CO2-Düngungsanlage, Feinregelung für Lichtstärke, Luftfeuchtigkeit und Temperatur und variable Beleuchtungstechnik (z.B. Quecksilber-, Natrium- oder Schwefel-Dampflampen). Alle Elemente sind modular. So lassen sich schnell kleine und große Einheiten je nach Versuchsanforderungen zusammenschalten und machen die Forschung flexibler. „Mit diesen hochvariablen Forschungseinheiten schlägt das Phytotechnikum eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Grundlagenforschung und Wirklichkeit“, freut sich Prof. Dr. Stephan Dabbert, Rektor der Universität Hohenheim.

Mehr Forschung auf halber Fläche

Zurzeit betreibt die Universität etwa 15 Gewächshäuser über den ganzen Campus verteilt. Das neue Forschungsgewächshaus soll langfristig nahezu alle an einem Standort bündeln. 1.360 Quadratmeter umfasst das Phytotechnikum als ersten Bauabschnitt. 5.800 Quadratmeter sollen es später einmal sein. Das ist nicht mal die Hälfte der jetzigen Fläche von 13.000 Quadratmetern. Die räumliche Nähe wird auch die Forschung beflügeln: „Wenn Wissenschaftler räumlich konzentriert zusammen arbeiten, nimmt der Austausch untereinander zu und es entstehen neue Ideen“, ist sich der Rektor sicher.

Weniger Wasser und Energie

Vorsichtig geschätzt dürfte das neue Forschungsgewächshaus am Ende pro Quadratmeter um die zwei Drittel weniger Energie verbrauchen. Überschlägig könnte sich dies in jedem Jahr in einer vierstellige Zahl an eingesparten Megawattstunden niederschlagen. Geheizt wird mit dem eigenen Fernwärmenetz und damit z.T. auch über Kraft-Wärmekopplung. Energieschirme im Innern verringern weitere Energieverluste. Einen zusätzlichen Energiegewinn liefert die geplante Photovoltaik-Anlage auf dem Trakt mit Labor- und Büroräumen. Regenwasser, das an Stelle des Neubaus nicht mehr versickern kann, fängt die Universität in eigenen Zisternen auf. Das Wasser wird zur Kühlung des Autoklaven verwendet und verringert den Wasserbedarf für die Bewässerung. (SB)
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