Agrarberatung

Große und mittlere Betriebe profitieren

Will die Politik Innovationen in der europäischen Landwirtschaft fördern, sollte sie Beratungsangebote unterstützen und evaluieren. Diese und weitere Empfehlungen gründen auf den Ergebnissen des Forschungsprojekts PRO AKIS, bei dem ein internationales Wissenschaftler-Team Wissenssysteme in der europäischen Landwirtschaft untersucht hat.

Enorme Vielfalt der Agrarberatung

Je nach institutioneller Situation unterscheiden sich die Beratungssysteme von Land zu Land. „Deutschland etwa ist föderal und dezentral organisiert, auch bei der Agrarberatung“, erläutert Projektkoordinatorin Prof. Andrea Knierim vom Fachgebiet Ländliche Soziologie an der Universität Hohenheim.
PRO AKIS
PRO AKIS steht für „Prospects for Farmers‘ Support: Advisory Services in European Agricultural Knowledge and Information Systems”. Das Forschungsprojekt startete im Dezember 2012 und lief im Mai 2015 aus. PRO AKIS wird von der EU mit 1,5 Mio.€ gefördert. Projektpartner sind neben der Universität Hohenheim das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) sowie sechs weitere Forschungsinstitute in Großbritannien, Frankreich, Portugal, Polen, Bulgarien und Dänemark.

Organisationen der Landwirte dominieren

Um eine Grundlage für die Bewertung der Angebote und die Diskussion über Vor- und Nachteile zu schaffen, haben die Wissenschaftler die Beratung je nach Anbieter in Kategorien eingeteilt: „öffentlich“, „privat“, „von Landwirten geführte Organisation“ und „sonstige NGO“. In elf Ländern dominieren laut PRO AKIS vor allem landwirtsgeführte Organisationen das Beratungsangebot, in acht die öffentliche Hand. In Deutschland finden sich vor allem Mischformen, zum Beispiel die Landwirtschaftskammern.

Kleine Betriebe kommen zu kurz

„Die Umfrage zeigt weiter, dass die meisten Beratungsorganisationen große und mittlere landwirtschaftliche Betriebe als ihre wichtigsten Klienten benennen und dass Kleinbauern sowie weibliche und junge Betriebsleiter nur an nachgeordneten Stellen rangieren“, führt Knierim aus. So gut wie keine Erwähnung fänden landwirtschaftliche Angestellte, obwohl in den letzten Jahren ein wachsender Trend zu Fremd-Arbeitskräften auf den Betrieben zu verzeichnen sei.

Qualität der Beratung bewerten

Aus den Ergebnissen leiten die Wissenschaftler Konsequenzen für die Agrarpolitik ab. So sollten Kriterien definiert werden, an denen man die Qualität der Beratung festmachen kann. Die Forschung müsse sich stärker an der Praxis orientieren und enger mit Landwirten zusammenarbeiten. Beratungsdienste, die sich durch die öffentliche Hand finanzieren, sollten überall verfügbar sein, denn sie gewährleisten eine unabhängige Beratung. Für Kleinbauern sollten spezielle Beratungen angeboten werden, denn deren Bedarf unterscheide sich erheblich von mittleren oder großen Betrieben. (SB)
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