Ausbildung

Grüne Berufe trotzen dem Trend

Die Landwirtschaftskammern einiger bedeutender Agrarländer melden nach einem ersten vorläufigen Überschlag steigende Ausbildungszahlen. Mit einem Zuwachs von 33 Prozent erfährt die Berufsausbildung zum Landwirt in Rheinland-Pfalz aktuell den kräftigsten Anstieg.
Landwirte im Plus
Bundesweit wurden 2015 ersten Schätzungen zufolge in der Landwirtschaft rund 13.500 neue Ausbildungsverträge geschlossen. Das ist ein Plus von über 3 Prozent gegenüber 2014. Damit liegt die Landwirtschaft mit dem öffentlichen Dienst gleichauf. Alle Ausbildungen zusammengerechnet, bleibt mit 522.200 neuen Verträgen die Zahl auf Vorjahresniveau. Im Osten gibt es rund 1 Prozent mehr Verträge, im Westen sinkt die Zahl.
Hatten im Jahr 2014 noch 92 Interessierte einen Vertrag geschlossen, so liegt im Ausbildungsjahr 2015 die Zahl der Nachwuchslandwirte bei 122. 


Alle 14 grünen Berufe zusammengenommen, ist in Rheinland-Pfalz die Zahl der neu geschlossenen Verträge gegenüber dem Vorjahr um 4,5 Prozent gestiegen. „Das Ausbildungsangebot in der Land- und Forstwirtschaft, im Garten- und Weinbau ist attraktiv“, freut sich Kammerpräsident Norbert Schindler. 

Gezielt Schulen angesprochen

Ein Kammermitarbeiter erklärt den Anstieg als das Ergebnis der intensivierten Öffentlichkeitsarbeit. Es gebe zwei Mitarbeiter, die seit drei Jahren ausschließlich damit beschäftigt seien, an Schulen und auf Messen über die grünen Berufe zu informieren und passgenau zu vermitteln. Auch moderne Kommunikationsmittel wie Facebook kämen dabei zum Einsatz.

Wahl unabhängig von Verdienst 

Einen immerhin leichten Zuwachs verspüren auch die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bayern. Im Vergleich zum Vorjahr registriert die Kammer in NRW mit 1.600 Auszubildenden im Beruf Landwirt einen Anstieg um etwa 1 Prozent. In Bayern setzt sich der Aufwärtstrend ebenfalls fort. Seit dem Jahr 2000 habe der Stellenwert der landwirtschaftlichen Ausbildung zugenommen, heißt es aus dem bayerischen Landwirtschaftsministerium. Derzeit entscheiden sich rund 2.000 Menschen für eine Ausbildung zum Landwirt. Dass sie dies ungeachtet der momentan schwierigen wirtschaftliche Situation mancher landwirtschaftlichen Betriebe tun, sei nicht ungewöhnlich. Denn die Berufsentscheidung folge einem längerfristigen Muster und nicht der aktuellen Einkommenssituation, so der Ministeriumsmitarbeiter. Insbesondere in der Schweinehaltung sei ja bekannt, dass die Erlöse stark schwanken können.

Niedersachsen hält hohes Niveau 

Auch in Niedersachsen ist der Beruf Landwirt bei Schulabgängern beliebt. „Wir haben in den vergangenen Jahren sehr stabile Zahlen gehabt“, erklärt Jörn Ehlers vom Landvolk Niedersachsen. Rund 2.000 junge Menschen hatten zum Stichtag 31. Dezember 2015 einen Vertrag auf einem der 2.400 landwirtschaftlichen Ausbildungsbetriebe abgeschlossen. Schon seit sechs Jahren werden nach Mitteilung des Landvolk-Pressedienstes stets mehr als 1.700 Jugendliche in der Berufsausbildung zum Landwirt gezählt. Damit hätten sich die Zahlen auf einem hohen Niveau stabilisiert. Alle grünen Berufe zusammengenommen, zählt das Landvolk rund 6.000 Auszubildende. Aus den ostdeutschen Bundesländern sind zurzeit noch keine offiziellen Zahlen zu bekommen. (kbo)
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