az-Karrieretag

Keine falsche Scheu im Bewerbungsgespräch

„Wie sieht denn Ihre Gehaltsvorstellung aus?“, fragt die Personalerin. „Ich will auf jeden Fall mehr verdienen als bei meinem vorherigen Arbeitgeber. 50000 Euro sollten es schon auf jeden Fall sein“, antwortet der Bewerber. Ein Raunen geht durch den prall gefüllten Hörsaal an der Hochschule Neubrandenburg. Gebannt verfolgen die Studierenden das fiktive Vorstellungsgespräch, das die Personalberatung Dr. Schwerdtfeger für den Agrar-Karrieretag von agrarzeitung und VDL Berufsverband Agrar, Ernährung, Umwelt erstmals an der Hochschule Neubrandenburg organisiert hat.

Agrar-Karrieretage
Die agrarzeitung und der VDL Berufsverband veranstalten regelmäßig Karrieretage an verschiedenen Hochschulen. Unternehmen aus dem Agribusiness stellen sich und ihr Jobangebot den Studenten aus dem Fachbereich Agrarwissenschaften vor. Im Anschluss an die Firmenvorträge gibt es in einem Ausstellungsbereich Möglichkeiten zum Netzwerken.
Anschließend erklärt Personalberaterin Barbara Berger, was der Kandidat falsch gemacht hat. Es sei strategisch sehr ungeschickt, auf die Höhe des aktuellen Gehalts hinzuweisen. Auf der sicheren Seite sei der Bewerber hingegen, wenn er sich vorher eine Spanne überlegt, die für ihn infrage kommt, beispielsweise ein Jahresgehalt zwischen 45000 und 50000 € brutto. Das gelte als Verhandlungsbasis. Nun lasse sich mit dem Arbeitgeber anhand der individuellen Qualifikationen darüber diskutieren. Argumente sollte sich der Bewerber vorher gut überlegen. Eine Studentin wirft ein: „Aber woher weiß ich, wie hoch ich mich einschätzen soll?“ Am besten sei es, sich Bekannte aus der Branche zu suchen, die könnten Auskunft geben.

„Wer von Ihnen ist mutig?“, will wiederum Heino Togert, Regionalleiter Team Nord-West bei Euralis Saaten, von den Studenten wissen. Er spielt damit auf den Vertrieb im Außendienst an. In diesem Job bekommt man recht schnell die Verantwortung für einen eigenen Kundenstamm übertragen. So schildert es auch die Außendienstmitarbeiterin der Firma Beiselen, Antje Korczak. Sie hat ihr Studium an der Hochschule Neubrandenburg erst kürzlich beendet und betreut mittlerweile mehr als 100 Kunden im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

„Der Job im Außendienst macht Spaß“, ist Außendienstmitarbeiter Johannes Erz überzeugt. Er ist bei Euralis Saaten für Ökolandbau und Vermarktung Brandenburg Nord zuständig. Zwar gebe es gewisse Zielvorgaben, aber der große Vorteil sei, dass sich der Tag völlig selbstständig gestalten lasse. Niemand frage: Warst du heute schon bei diesem oder jenen?

Anschließend lauschen die rund 100 Studenten dem Vortrag von Stefan Lütke Entrup, Projektkoordination Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP). Das Berufsbild in der Pflanzenzüchtung reicht vom Grundlagenforscher, der an der Universität arbeitet, über anwendungsorientierte Forschung, beispielsweise am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben, bis hin zur Sortenentwicklung in Zuchtunternehmen sowie deren Prüfung durch das Bundessortenamt.

Wer sich dafür interessiert, Pflanzen zu züchten, kann bereits während des Studiums im „Haus der Pflanzenzüchtung“ in Bonn praktische Erfahrungen sammeln. Meist betreut der Studierende ein eigenes Projekt. Dieses umfasst beispielsweise die Standbetreuung während Messen wie den DLG-Feldtagen oder der Grünen Woche. Außerdem ist es möglich, im Rahmen von Bachelor- und Masterarbeiten zusammenzuarbeiten. (has)
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