Traditionell sind die Felder in Westdeutschland deutlich kleiner als im Osten Deutschlands. Forscher der Universität Göttingen haben untersucht, inwiefern Kleinräumigkeit und Rahmenbedingungen des ökologischen Landbaus auf die Biodiversität wirken.

Sowohl im Westen als auch im Osten wiesen ökologisch bewirtschaftete Felder eine höhere Biodiversität auf als die konventionell bewirtschafteten Felder. Das galt besonders für Pflanzenarten: bis zu 44 Prozent mehr Arten wurden auf ökologisch bewirtschafteten Feldern gezählt. Zudem konnten der größte Artenreichtum und die größte Individuenzahl am Rand der Felder nachgewiesen werden. Diese Häufigkeit nahm in Richtung Feldmitte bis zu 25 Prozent ab.

Kleine Felder gleich größere Biodiversität

Beim Vergleich zwischen West und Ost zeigte sich ebenfalls ein deutlicher Effekt: Obwohl die Artenvielfalt in den beiden Regionen gleich war, gab es auf den Feldern große Unterschiede. Im Westen kamen auf neun kleinen Feldern deutlich mehr Arten vor als im Osten auf vier großen Feldern, die jeweils zusammengenommen die gleiche Feldrandlänge aufwiesen. Das Forschungsteam führt diesen Effekt auf die größere Strukturvielfalt durch die Ackerränder zurück. Im Verhältnis zur Fläche gibt es im Westen mehr Ackerrandstrukturen als im Osten.

Öko ist gut für die Umwelt und bringt mehr Gewinn

In einer weiteren Untersuchung verglichen die Forscher den Gewinn der einzelnen Bewirtschaftungsformen. Die Ernteerträge der konventionellen Landwirtschaft in Ost und West waren gleich, im Osten wurden aber wegen der geringeren Produktionskosten bis zu 50 Prozent höhere Gewinn erzielt. Im Gegensatz dazu hatten ökologische Landwirte in Ost und West über 100 Prozent höhere Gewinne, obwohl sie nur halb so hohe Erträge erzielten. Nach Abzug der jeweiligen Subventionen (210 €/ha und Jahr im Westen und 170 €/ha und Jahr im Osten) verdiente ein ökologischer Landwirt im Westen etwa 1.181 €/ha und Jahr, ein konventioneller nur 412 €/ha und Jahr (im Osten waren es 1.663 € und 874 €). Grund hierfür sind die höheren Preise, die allgemein für ökologisch erzeugte Waren erzielt werden. Die Wissenschftler schließen daraus, es lohne sich kleinräumige Feldstrukturen für eine höhere Artenvielfalt zu erhalten.

Für die Untersuchungen der Biodiversität wählte das Forschungsteam neun Feldpaare jeweils westlich und östlich der ehemaligen Grenze aus, jedes Paar bestehend aus jeweils einem konventionell und einem ökologisch bewirtschafteten Feld. Die Umgebungsbedingungen der Felder waren vergleichbar, ebenso die vorkommenden Pflanzen- und Tierarten. (az)
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