Fachtagung

Konkurrenz um Wasser im Fokus

„Wie viel Wasser braucht die Landwirtschaft?“, „Wird das Wasser knapp?“, „Wem gehört das Wasser?“ – mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigten sich rund 100 Teilnehmer aus dem Bundesgebiet während der Fachtagung „Bewässerung in der Landwirtschaft“ Mitte September an der Ostfalia Hochschule in Suderburg (Niedersachsen). Veranstaltet wurde die Tagung vom Thünen-Institut, dem Julius Kühn-Institut und der Ostfalia Hochschule Suderburg in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Die Ergebnisse sind interessant: Global gesehen werden demnach 70 Prozent der Wasserentnahmen aus Grundwasser und Oberflächengewässern für die landwirtschaftliche Produktion verwendet. In Deutschland liegt der Anteil im Bundesdurchschnitt bei 1 Prozent. Die regionalen Unterschiede seien aber sehr groß, gab das Thünen-Institut für Ländliche Räume zu Bedenken. In Nordostniedersachsen, wo die Böden für den intensiven Kartoffelanbau besonders geeignet, aber auch bewässerungsbedürftig sind, werden demanch 80 Prozent des Wasserverbrauchs für landwirtschaftliche Bewässerung verwendet.

Wasserknappheit in Deutschland auf leichten Böden möglich

Dr. Mathias Herbst, Zentrum für agrarmeteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes, ging der Frage nach, ob das Wasser in Zukunft knapp wird. Während die Lufttemperaturen mit großer Wahrscheinlichkeit weiter ansteigen werden, seien die zukünftigen Änderungen der Niederschlagsmengen und -verteilung noch nicht sicher vorherzusagen, so seine Bewertung. Da mit steigenden Lufttemperaturen auch die potenzielle Verdunstung der Kulturpflanzen ansteige, könnte vor allem auf landwirtschaftlichen Flächen mit leichten Böden der Bewässerungsbedarf zunehmen.

Bereits bestehende Wassernutzungskonflikte der Landwirtschaft mit Privathaushalten und Industrie könnten sich somit in einigen Gebieten verschärfen, wie Dr. Sandra Kruse anhand von Beispielen aus dem Hessischen Ried verdeutlichte. Zwar ist Wasser ein Allgemeingut, das im Prinzip keinem Einzelnen gehört. Aber die Nutzung von Wasser und Gewässern, unter anderem die Entnahme von Wasser für die Landwirtschaft, ist in Deutschland rechtlich geregelt. Höhere Wasserentnahmen durch die Landwirtschaft in Folge eines potenziell steigenden Wasserbedarfs müssen demnach beantragt und begutachtet werden.

Effiziente Bewässerungssteuerung

Die Bewässerung in der Landwirtschaft dient nicht nur der Ertragssicherheit, sie verbessert gleichzeitig die Nährstoffeffizienz der Pflanzen. Die Bewässerung kann somit auch dazu beitragen, Nährstoffeinträge in Grund- und Oberflächenwasser zu verringern, wie Angela Riedel von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zeigte. Dabei bestehe Entwicklungsbedarf an effizienter Bewässerungssteuerung. Hier werde im Rahmen einer Kooperation von Forschung und Praxis in Niedersachsen derzeit für Kartoffeln ein Sensor entwickelt, der anhand der Temperaturdifferenz von Bestands- und Lufttemperatur den Wasserstress des Pflanzenbestands ermittele. Dies könne als Entscheidungshilfe für den Bewässerungsbedarf herangezogen werden.

Dr. Thomas de Witte vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft zeigte, dass es in der Regel erforderlich ist, Hackfrüchte wie Kartoffeln anzubauen, damit sich Investitionen in die Bewässerung rechnen. Weiterhin sinken die Bewässerungskosten, wenn die vorhandenen Flächenstrukturen es ermöglichen, in effiziente Technologien wie Kreisberegnungsanlagen zu investieren. „Auch zukünftige Agrarpreise werden ein Entscheidungskriterium dafür sein, ob weitere Betriebe in die Beregnung ihrer Flächen investieren“, ergänzte Dr. Claudia Heidecke vom Thünen-Institut für Ländliche Räume. (mrs)
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