Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) hat eine englischsprachige Studie zum Thema „Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen in EU-Ländern“ veröffentlicht. Die Studie wurde von der EU-Kommission in Auftrag gegeben und finanziert, teilt das HWWI mit. Die Studie untersucht Umfang und Ursachen der Lohnungleichheit. Das Ergebnis lautet: Die durchschnittliche unbereinigte Lohnlücke beträgt EU-weit 15,3 Prozent. Im Jahr 2014 waren es 16,1 Prozent, wie Eurostat meldete.

Dies liege allerdings auch an einer leicht abweichende Länderstichprobe, erklärt das HWWI. Denn für ihre Studie wurden nur 21 EU-Länder plus Norwegen verwendet. Etwa ein Drittel davon (4,4 Prozent) entfällt auf messbare Merkmalsunterschiede zwischen Männern und Frauen. Die verbleibende bereinigte (unerklärte) Lücke beträgt 10,9 Prozent. Konkret heißt das: Frauen verdienen 10,9 Prozent weniger als Männer mit vergleichbaren messbaren Eigenschaften wie beispielsweise Bildung, Beruf und Arbeitszeiten.

Allerdings sind die Länderunterschiede in der unbereinigten Lücke beträchtlich. Sie schwankt zwischen 3,6 Prozent in Polen und 25,1 Prozent in Estland. Außerdem erzielen 7 von 10 mittel- und osteuropäischen Ländern unterdurchschnittliche Lücken (Ausnahmen: Tschechien, Slowakei und Estland). Westeuropäische Länder schaffen dies mit Ausnahem von Italien (4, 5 Prozent) nicht.

In Ländern mit geringeren Lohnlücken zwischen den Geschlechtern sind Frauen eher seltener erwerbstätig als in Ländern mit größeren Lücken. Dies ist ein Indiz dafür, dass sich in Ländern mit hohen Eintrittsbarrieren auf dem Arbeitsmarkt vor allem Frauen mit hohen Verdienstperspektiven in Beschäftigung einwählen, während sich in Ländern mit niedrigen Eintrittsbarrieren Frauen eher zwischen familienfreundlichen Arbeitsbedingungen und attraktivem Gehalt entscheiden müssen, teilt das HWWI mit.

Der erklärte Teil der Lücke lässt sich weiter in einzelne Einflussfaktoren aufgliedern. Dabei haben die Länder auch einiges gemeinsam: Die Branchenzugehörigkeit hat einen signifikanten Anteil an den gemessenen Lohnunterschieden. Demnach sind Frauen in Branchen mit unterdurchschnittlicher Bezahlung überrepräsentiert.

Die unerklärte Lücke ist in allen Ländern positiv. Das heißt, in allen Ländern verdienen Frauen auch aufgrund statistisch nicht erfassbarer Gründe weniger als Männer. Der unerklärte Teil der Lücke ist sogar größer als der erklärte Teil in allen Ländern mit Ausnahme von Deutschland und Norwegen. (az)
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