Entwicklungsarbeit

Mechanisierung für Kleinbauern in Afrika

Hacken, pflügen, Unkraut jäten: Landwirtschaft ist in vielen afrikanischen Ländern noch harte Handarbeit. Ein Einsatz von Maschinen könnte Arbeitsbelastungen reduzieren und landwirtschaftliche Einkommen erheblich steigern, so die Wissenschaftler der Universität Hohenheim. Daher testen sie Ideen, wie Kleinbauern in Sambia über Lohnunternehmer Zugang zu Traktoren erhalten können – und welche sozialen Folgen das mit sich bringt.

Schwergewichte der Forschung
31,2 Mio. € an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universität Hohenheim 2015 für Forschung und Lehre. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem finanziellen Volumen von mindestens 250.000 € (Experimentalwissenschaften) und 125.000 € (Sozial- und Gesellschaftswissenschaften).
Die Arbeit ist in ein größeres Vorhabens des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) eingebunden, das an der Universität Hohenheim drei Teilprojekte mit insgesamt 650.000 € fördert. Das Gesamtprojekt zählt damit zu den Schwergewichten der Forschung in Hohenheim.

Feldarbeit mit Muskelkraft

Afrikanische Kleinbauern sind bei der Feldarbeit in der Regel auf ihre Muskelkraft angewiesen: Etwa 80 Prozent der Landwirte in Afrika bestellen laut Angaben der Welternährungsorganisation FAO ihre Felder nur mit Handarbeit ohne die Hilfe von Zugtieren oder Traktoren.

Daher können sie nur kleine Flächen bewirtschaften, die Erträge sind gering. Die Folge: „Landwirtschaftliche Einkommen sind niedrig, und gerade junge Menschen finden Landwirtschaft kaum attraktiv und wandern ab“, erklärt Prof. Regina Birner, Agrarexpertin an der Universität Hohenheim. Gerade zu den kritischen Zeiten seien oft zu wenige Hände zum Anpacken da. Diesen saisonalen Arbeitskräftemangel und seine Folgen könnte Mechanisierung ausgleichen.

„In den 1960er-Jahren gab es bereits Versuche, die Feldarbeit zu mechanisieren. Doch mangels Training oder Ersatzteile kamen die Traktoren kaum zum Einsatz“, resümiert Projektleiterin Birner die Fehler der Vergangenheit. „Wir wollen das heute besser machen und untersuchen, welche Voraussetzungen für eine Mechanisierung gegeben sein müssen und welche gesellschaftlichen Folgen zu erwarten sind.“ Zwei ihrer Master-Studenten sind dafür momentan in Sambia.

Lohnunternehmen als Mittler

Die Idee besteht darin, dass Kleinbauern die Traktoren nicht selbst anschaffen, sondern über Lohnunternehmer beanspruchen können. „Um das erfolgreich umzusetzen, stellt sich zum Beispiel die Frage der nötigen Ausbildung“, erklärt Thomas Daum, Doktorand in dem Projekt.

„Die Bauern müssen lernen, wie man die Maschinen am besten einsetzt, in Stand hält und wie die Arbeiten bodenschonend durchgeführt werden. Für solche Schulungen müssen Institutionen etabliert werden“, erklärt Daum.

Bezahl-Service in Kooperation mit John Deere

Grüne Innovationszentren in Afrika
Das Projekt „Grüne Innovationszentren in Afrika“ hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen seiner Sonderinitiative „EINEWELT ohne Hunger“ ins Leben gerufen. Ziel ist es Innovationszentren aufzubauen, in denen Schulung, Beratung und Forschung gebündelt sind. Die Umsetzung vor Ort erfolgt durch die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ).
Bei dem Modell, das die Forscher nun in Sambia untersuchen, kaufen aufstrebende Farmer die Traktoren und bieten Kleinbauern die Leistungen als Bezahl-Service an. Der Landtechnikhersteller John Deere unterstützt dieses Modell unter anderem in Sambia und Kenia. Die Forscher wollen verstehen, wie sich ein solches Modell ökonomisch, sozial und ökologisch auf die teilnehmenden Haushalte und die restliche Dorfgemeinschaft auswirkt. Eine andere zentrale Frage ist die Finanzierung der Maschinen und des Services sowie die Rolle des Herstellers und der Banken dabei.

Einige erste Trends können die Wissenschaftler bereits aus den bisherigen Arbeiten erkennen. „Wir wissen bereits, dass die Kleinbauern den Landtechnik-Service tatsächlich nutzen. Allerdings werden die Ärmsten von ihnen nicht erreicht. Für diese Haushalte müssen andere Lösungen gefunden werden, möglicherweise über die Zugtiernutzung“, legt Daum dar. (mrs)
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