Forschungsprojekt

Mineraldünger aus Gülle gewinnen

Bei der Agro Energie Hohenlohe, haben die Partner eines von der EU geförderten Projektes BioEcoSIM die Pilotanlage zur Gülleverwertung aufgebaut. Pro Stunde verarbeitet die Anlage 50 Kilogramm Schweinegülle zu etwa 500 Gramm mineralischem Phosphatdünger, 500 Gramm mineralischem Stickstoffdünger sowie 900 Gramm organischer Biokohle. 15 Partner aus fünf Ländern haben drei Jahre getüftelt, um aus dem Problemstoff einen wertvollen Rohstoff zu machen, berichtet das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB)

Filtration und Pyrolyse

In einem ersten Schritt wird die wässrige Gülle vorbehandelt, damit sich Phosphor vollständig löst, und über eine grobe Filtration in eine feste und eine flüssige Phase getrennt. Die entwässerte feste Phase wird dann mit einem am Fraunhofer IGB entwickelten Verfahren getrocknet. Anschließend werden die getrockneten organischen Bestandteile bei über 300 °C mittels Pyrolyse zu organischer Biokohle umgesetzt. Mikroorganismen werden hierbei vollständig zerstört.

Phosphor und Stickstoff als Granulat

Die flüssige Güllefraktion enthält gelöste anorganische Nährstoffe. In einem Fällungsreaktor wird zunächst Phosphor recycelt und als Calciumphosphat, Magnesiumphosphat und Magnesiumammoniumphosphat gefällt und abfiltriert. Stickstoff wird in einem zweiten Schritt zurückgewonnen. Hierzu wird die wässrige Fraktion in eine Membranzelle geleitet. Im Wasser gelöstes Ammoniak diffundiert über die Membran, wird als Ammoniumsulfat gewonnen und in einem weiteren Schritt kristallisiert. Übrig bleibt ein Wasser, das nur noch Spuren von Phosphor und Stickstoff enthält, aber reich an Kalium ist und optimal zur Bewässerung eingesetzt werden kann.

Gut verfügbare Nährstoffe

In umfangreichen Untersuchungen und Feldstudien hätten gezeigt, dass die aus Gülle aufbereiteten mineralischen Düngemittel und organischen Bodenverbesserer direkt als gut verfügbare Dünger und humusbildende Substrate in der Landwirtschaft eingesetzt werden können, so das Institut. Bereits während der Projektlaufzeit hätten Gespräche mit Landwirtschaftsverbänden und Landwirten gezeigt, dass das Interesse an der Gülleaufbereitung und -verwertung groß ist. Allerdings könnte sich eine Anlage, nicht zuletzt aufgrund momentan bestehender politischer Hürden, noch nicht aus dem Erlös der Produkte allein amortisieren. Einsparpotentiale könnten sich aber für Tierhalter ergeben, die für die Abgabe der im eigenen Betrieb nicht benötigten Gülle bezahlen müssen. (SB)
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