Herausforderung

Nachhaltige Landwirtschaft anspruchsvoll

Welchen Herausforderungen muss sich die moderne Landwirtschaft stellen, um nachhaltig zu sein? Welche Rahmenbedingungen müssen herrschen, um den Erfolg für Landwirte und ihre Familien langfristig zu sichern? Diese Fragen standen jetzt im Mittelpunkt der Tagung „Nachhaltige Landwirtschaft als Zukunftsaufgabe" an der HfWU in Nürtingen. Rund 150 Teilnehmer diskutierten die Vorträge der Referenten, darunter Bauernpräsident und HfWU-Absolvent Joachim Rukwied.

Rukwied legte in seinem Vortrag den Schwerpunkt auf die effiziente Intensivierung der familiengetragenen Landwirtschaft. Mit gleichbleibendem Input müsse in der Zukunft ein höherer Output erreicht werden. Der Bauernpräsident forderte die Agrarbranche dazu auf, unter Beachtung des Umwelt- und Klimaschutzes, Innovationen ergebnisoffen zu diskutieren. Eine tragende Rolle sprach Rukwied dabei Wissenschaft und Forschung zu. Neue Technologien sollten unter Abwägung von Chancen und Risiken marktorientiert genutzt werden.

Landwirte, die marktorientiert wirtschaften, seien langfristig in der Lage den Betriebserfolg nachhaltig zu sichern. Der steigende Fleischkonsum in Schwellenländern biete beispielsweise Absatzchancen für die deutsche Fleischproduktion. Die deutsche Wirtschaft exportiere Fleischstücke, die hierzulande selten im Kochtopf landen, wie Schweineohren- und Füße nach China. In Zukunft komme es noch mehr darauf an, die Vielfalt der Märkte anzuerkennen und zu nutzen.

Die ökologische Landwirtschaft beschreibt Rukwied pauschal als unverzichtbaren Teil der deutschen Agrarwirtschaft. Die Entscheidung darüber wie viel deutsche Ackerfläche ökologisch bewirtschaftet wird, sollten laut Rukwied die Verbraucher mit ihren Einkaufsgewohnheiten entscheiden.

Aus internationaler Sicht referierte Christel Weller-Molongua, Leiterin der Abteilung Ländliche Entwicklung und Agrarwirtschaft der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), über die Rolle der Landwirtschaft für eine nachhaltige Ernährung der Weltbevölkerung. Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) sieht sie derzeit nicht als Lösung für die Entwicklungszusammenarbeit. Zu oft bringe der Anbau von GVO eine hohe Verschuldung für die Landwirte in Entwicklungsländern mit sich.

Diese Pflanzen seien oft nicht optimal an örtliche Gegebenheiten angepasst und könnten die Landwirte in eine Abhängigkeit führen, wenn beispielsweise durch den globalen Klimawandel Niederschläge ausblieben und kein eigenes vermehrungsfähiges Saatgut mehr zur Verfügung stehe. Grundsätzlich stehe die GIZ modernen Technologien aufgeschlossen gegenüber. So verwenden die Mitarbeiter beispielsweise kurze Videos, um der oft nicht alphabetisierten Bevölkerung fachliche Kompetenzen zu vermitteln. (Sz)
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