Welchen Einfluss hat das Agrarsystem auf die Arbeitszufriedenheit der Landwirte? Dieser Frage sind vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Forschende von Agroscope nachgegangen. Sie verglichen das Schweizer Agrarsystem mit dem weitgehend industrialisierten nordostdeutschen, das von Nicht-Familienbetrieben dominiert ist. Dabei kamen sie zum Schluss, dass Landwirte in der Schweiz generell ebenso zufrieden mit ihrer Arbeit sind, wie ihre Berufskolleginnen und -kollegen in Nordostdeutschland.
5000 Landwirte befragt
Um die beiden Landwirtschaftssysteme vergleichen zu können, haben die Wissenschaftler 3000 Schweizer und 2000 nordostdeutsche Bauern nach ihrer Arbeitszufriedenheit gefragt sowie um eine Bewertung ihrer finanziellen Situation gebeten. Von den total 5000 zufällig verschickten Fragebogen wurden 1687 zurückgeschickt. 1158 flossen in die Auswertung der Arbeitszufriedenheit ein, davon sind 72 Prozent aus der Schweiz und 28 Prozent aus Nordostdeutschland.

Vielfältige Arbeit bringt Zufriedenheit

Allerdings definiert sich die Arbeitszufriedenheit anders: Während finanzielle Aspekte die Zufriedenheit der nordostdeutschen Landwirtinnen und Landwirte wesentlich beeinflussen, spielen die finanzielle Betriebssituation und die Hofgröße für die Zufriedenheit der Schweizer Bauern mit ihrer Arbeit eine geringere Rolle. „Bezieht man die Agrarstrukturen beider Regionen mit ein, sind sie trotz tieferer Einnahmen tendenziell sogar zufriedener", sagt Tim Besser, Sozioökonom bei Agroscope. „Das Schweizer System hat offenbar auch andere Qualitäten als ökonomische Rendite." Neben Unterschieden haben die Forschenden um Tim Besser auch Gemeinsamkeiten gefunden: So scheint der Zwang, aus finanziellen Gründen einem Erwerb außerhalb der Landwirtschaft nachgehen zu müssen, der Zufriedenheit mit der landwirtschaftlichen Arbeit abträglich. Hingegen sorgt die Diversifikation in Form von Agrotourismusangeboten oder Direktverkauf vom Hof für mehr Arbeitszufriedenheit.

Soziale Funktion im ländlichen Raum

Ebenfalls untersucht haben die Forschenden die soziale Vernetzung der Landwirte im ländlichen Raum. Dabei hat sich gezeigt, dass diese in der Schweiz in der Regel stärker lokal verankert sind als die Deutschen, wobei die Art der Vernetzung stark von der Betriebsgröße abhängt. „Ein auf kleinbäuerlichen Familienbetrieben aufgebautes Agrarsystem könnte negativen Bevölkerungsentwicklungen entgegenwirken, beispielsweise der Abwanderung aus peripheren Gebieten", nimmt Besser an. Aufgrund seiner Resultate gibt er zu bedenken: „In der Debatte um den Wandel der Landwirtschaft in der Schweiz sollte man berücksichtigen, dass eine rein ökonomische Betrachtung der Landwirtschaft negative soziale Konsequenzen haben kann." (az)
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