Ernährungssicherheit

Selbstversorgung für Afrika


Das Verbundprojekt Globe Reload versucht Nachernteverluste in Entwicklungsländern nachhaltig zu reduzieren. Die Agrartechnik der Universität Kassel arbeitet dazu mit afrikanischen Wissenschaftlern aus Äthiopien, Kenia und Uganda zusammen. Das Ziel ist, die Veredelung von Lebensmitteln in Entwicklungsländern zu fördern. Oftmals finden diese Veredelungsprozesse in den Industrienationen statt. Außerdem soll die Transportinfrastruktur durch kürzere Transportwege und die Lagerung von Lebensmitteln verbessert werden. Nach einem Jahr Projektlaufzeit ziehen die Forscher eine Zwischenbilanz und stellten im Rahmen einer Tagung laufende Projekte vor.

Beispielsweise beraten Wissenschaftler einen kenianischen Joghurtproduzenten. Bislang wird in Afrika wenig Joghurt hergestellt. Auf diese Weise kann die verderbliche Milch zu einem länger haltbarens Produkt verarbeitet werden. Die Forschungsgruppe der kenianischen Egerton Universität begleitet den Joghurtproduzenten bei der Herstellung von Fruchtmischungen aus Mango, Papaya und Ananas, die sonst aus Südafrika importiert werden müssten.

In einem weiteren Vorhaben soll die Logistik der Fleischerzeugung effizienter und fairer organisiert werden. Wissenschaftler der Universität Nairobi beraten Landwirte dahingehend. Bisher werden Herden aus dem kenianischen Hochland hunderte von Kilometern bis zu zentralen Schlachthöfen in Nairobi getrieben. Wenn sie dort ankommen, sind die Tiere abgemagert. Die wirtschaftlich unerfahrenen Hirten geraten dabei auch oft an unseriöse Zwischenhändler, die ihnen einen zu niedrigen Verkaufspreis geben.

Ein anderes Beispiel betrifft die Lagerung von Süßkartoffeln. Ein solar betriebenes Belüftungssystem soll die langfristige Lagerung  auch unter tropischen Bedingungen ermöglichen. Joseph Korese, Doktorand aus Ghana, forscht dazu in Kassel im Fachbereich ökologische Agrarwissenschaften. Er hält die Süßkartoffel für eine Ernährungsalternative bei Hungerkrisen. Sie habe einen hohen Vitamin-A-Gehalt und reife innerhalb von nur drei Monaten.

Das Verbundprojekt Globe Reload wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und in einem Teilbereich auch vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit insgesamt 7,5 Mio. € gefördert. Das Fachgebiet Agrartechnik der Universität Kassel erhält bis 2018 eine Förderung von 5,3 Mio. €. (has)
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