Die Züchter von Mais, Roggen und Zuckerrüben haben es vorgemacht: Nachdem sie auf Hybridzüchtung umgestellt haben, konnten sie die Erträge dieser Kulturen kräftig steigern. Weizen-Hybriden gibt es dagegen bislang kaum auf dem Markt. Das soll sich in Zukunft ändern: Das neue Forschungsprojekt Zuchtwert der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim und des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben will die Grundlagen für die Hybridzüchtung schaffen.

Mehr Ertrag und weniger Krankheiten

Versuchsfelder mit Weizen.
-- , Foto: B. Habeck, Universität Hohenheim
Versuchsfelder mit Weizen.
„Hybrid-Weizen bringt rund zehn Prozent mehr Ertrag, ist weniger krankheitsanfällig und kommt mit Trockenstress besser klar“, erklärt Dr. Friedrich Longin, Weizen-Experte der Landessaatzuchtanstalt an der Universität Hohenheim. Doch bei Weizen hat die Hybridzüchtung bislang ihre Tücken, die die Forscher nun gemeinsam mit den Kollegen des IPK Gatersleben überwinden wollen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert das Forschungsprojekt mit insgesamt rund 5 Mio. €. Die Universität Hohenheim erhält davon gut 370.000 €, womit es zu den Schwergewichten der Forschung zählt. „Hybridweizen bringt nicht nur zehn Prozent höhere Erträge. Die Resistenzzüchtung ist vereinfacht und er zeigt unter Stressbedingungen stabilere Erträge“, erläutert Dr. Friedrich Longin, Agrarwissenschaftler und Weizen-Spezialist an der Landessaatzuchtanstalt. In Zeiten wachsender Bevölkerungszahlen und klimatischer Veränderungen seien das Vorteile von unschätzbarem Wert.

Klassische Zuchtmethode mit Mehrwert

Bei Weizen steckt die Hybridzüchtung noch in den Kinderschuhen: „Weizen ist ein Zwitter mit männlichen und weiblichen Bestandteilen in einer Blüte und befruchtet sich normalerweise selbst. Will man zwei verschiedene Linien kreuzen, muss man daher die Muttersorte kastrieren“, schildert Dr. Longin das Problem. Die Forscher verwenden hierfür ein chemisches Mittel, das die Bildung der männlichen Blüten unterdrückt und vom Projektpartner Saaten-Union entwickelt wurde.

Schwierige Suche nach geeigneten Elternpaaren

Projekt Zuchtwert
Das Kürzel Zuchtwert steht für „Zuchtmethodische Grundlagen zur Nutzbarmachung von Heterosis in Weizensorten“. Das Projekt startete am 1. september 2014 und ist zunächst bis 31. August 2017 geplant. Es wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert. Der finanzielle Rahmen beträgt insgesamt rund 5 Mio. €, die sich auf die Projektpartner verteilen. Beteiligt sind außer der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben sowie alle Weizenzüchter Deutschlands.
„Nun gilt es, die zuchtmethodischen Grundlagen zu schaffen. Zunächst müssen wir reinerbige Gruppen für die Elterngeneration identifizieren“, erläutert Dr. Longin. Die Forscher wollen reinerbige Zuchtlinien finden oder generieren, die genetisch möglichst unterschiedlich sein sollen. Denn die Heterosis ist umso stärker ausgeprägt, je weniger die Ausgangslinien verwandt sind. Ob alte Weizensorten bei der Suche nach unterschiedlichen genetischen Gruppen nützlich sind, wollen die Forscher ebenfalls klären. „Rund 5.000 solcher Linien wollen wir auf ihre Hybridleistung testen“, verrät Dr. Longin. Die genetischen Ressourcen dafür stammen hauptsächlich aus der Genbank des IPK Gatersleben.

Im Augenblick stehen die ersten rund 2.000 potenziellen Elternsorten auf dem Feld. Sie werden in diesem Jahr auf ihre Eignung als Vater oder Mutter getestet. Im Herbst kommt dann auch das erste Hybrid-Saatgut in den Boden. „Am Ende des Projektes“, so Dr. Longin, „wollen wir praktikable und wirtschaftliche Zuchtmethoden in der Hand haben, auf welche die Hybridzüchtung für Weizen in Zukunft aufbauen kann.“ (az)
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