Die meisten Unternehmen, die von den gesetzlichen Vorgaben betroffen sind, haben mittlerweile reagiert und haben sich Zielgrößen zur Steigerung des Frauenanteils in Führungspositionen gegeben: Drei von vier Unternehmen haben Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils im Vorstand formuliert. Für den Aufsichtsrat sind es 83 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft Kienbaum, an der sich 88 Unternehmen beteiligt haben.

Wie die Kienbaum-Studie zeigt, liegen die Zielgrößen der befragten Unternehmen im Schnitt über dem aktuellen Frauenanteil auf den jeweiligen Hierarchieebenen. Für den Aufsichtsrat liegen die eigenen Zielgrößen bei 24 Prozent, der derzeitige Frauenanteil beträgt rund 22 Prozent. Auf Ebene des Vorstands möchten die befragten Unternehmen rund zwölf Prozent weibliche Mitglieder erreichen, momentan beläuft sich der Frauenanteil allerdings auf nur 6,5 Prozent. Auf der ersten und zweiten Führungsebene setzen sich die Unternehmen Zielgrößen von 19 beziehungsweise 24 Prozent. Aktuell sind allerdings nur 15 beziehungsweise 19 Prozent der Führungskräfte auf erster und zweiter Ebene Frauen.

„Die Studie bestätigt unseren Eindruck, dass die meisten Unternehmen auf die gesetzlichen Vorgaben reagieren und sich zum Teil auch ambitionierte Ziele setzen“, sagt Anne von Fallois, Co-Leiterin des Kienbaum Female Desk. „Es wird spannend sein zu beobachten, welche Maßnahmen die Unternehmen nun ergreifen, um die gesteckten Ziele nachhaltig zu erreichen“, so von Fallois weiter.

Was geeignete Mittel zur Steigerung des Frauenanteils in Führungspositionen sind, variiert nach Ansicht der Befragten stark zwischen den betrachteten Mitarbeiter-Ebenen. Auf den oberen Führungsebenen hält ein Großteil der Befragten die langfristige Förderung von Frauen und die Schaffung familienfreundlicher Arbeitsbedingungen für sinnvoll. Auf der Vorstandsebene halten nur noch ein Drittel der Befragten dieses Mittel für geeignet, auf Aufsichtsratsebene tendenziell noch weniger. Dafür halten viele Teilnehmer die Einbindung von Personalberatern auf diesen Ebenen für das Mittel der Wahl, um den Frauenanteil zu erhöhen. Monika Berane, Partner bei Kienbaum und spezialisiert auf die Besetzung von Führungspositionen mit Frauen, überrascht dieses Ergebnis nicht: „Gerade im Aufsichtsrat lief die Besetzung häufig über persönliche Netzwerke, in denen Frauen eher selten vertreten waren und sind. Personalberatung kann den Kandidatinnenkreis erweitern und neue qualifizierte Köpfe für gute Aufsichtsratsarbeit identifizieren", so Berane. (az)
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