In deutschen Unternehmen bleiben immer mehr Lehrstellen unbesetzt. Das zeigt die neue Ausbildungsumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). „Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt spitzt sich zu", fasste DIHK-Präsident Eric Schweitzer die Ergebnisse der Erhebung zusammen. An der Online-Umfrage hatten sich 11.269 Unternehmen aus dem gesamten Bundesgebiet beteiligt.

Weniger Schulabgänger - mehr Studenten

31 Prozent der Betriebe – im Osten sogar 45 Prozent – hätten nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen können. Zehn Jahre zuvor habe das nur für 12 Prozent der Unternehmen gegolten. Fast 14.000 der Betriebe hätten laut DIHK überhaupt keine Bewerbungen mehr erhalten. Als Hauptgrund sieht die Organisation die sinkende Zahl der Schulabgänger, die sich binnen zehn Jahren um 120.000 Schüler verringerte. Verschärfend wirke der „ungebrochene Run auf die Hochschulen“, so Schweitzer.

Bessere Chancen für leistungsschwache Jugendliche

Dennoch sei es zuletzt gelungen, die Zahl der Ausbildungsverträge weitgehend stabil zu halten, betonte Schweitzer. Für dieses Jahr liege sie im IHK-Bereich leicht im Plus, und auch die Anzahl der bei den Arbeitsagenturen gemeldeten offenen Ausbildungsstellen steige. „Diese erfreuliche Situation ist auf das verstärkte Engagement der Betriebe zurückzuführen", so der DIHK-Präsident. So hätten sich rund 75 Prozent der Ausbildungsbetriebe auf leistungsschwächere Jugendliche eingestellt. Dennoch verschärfe sich der Fachkräftemangel. „Die fehlenden Azubis von heute sind die fehlenden Fachkräfte von morgen – und Fachkräftemangel wird in Zukunft immer öfter heißen, dass dual ausgebildete Fachkräfte fehlen", warnte Schweitzer.

Unternhemen bieten Praktika für Flüchtlinge

Diesen Trend werde auch die hohe Zahl junger Flüchtlinge in der kommenden Zeit nicht aufhalten können. Aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse seien bislang nur recht wenige Asylsuchende in den Ausbildungsbetrieben angekommen, erklärte der DIHK-Präsident. Doch seien drei von vier Unternehmen bereit, Flüchtlingen Praktika im Rahmen eines Anerkennungsverfahrens anzubieten. Die IHKs vor Ort leisteten Unterstützung bei Berufsorientierung, sie vermittelten Kontakte zu Betrieben und beförderten somit den Einstieg in Praktika und Einstiegsqualifizierungen.

Berufsorientierung an Gymnasien verbessern

Die Berufsorientierung an der Schnittstelle von Schule und Unternehmen sei einer der „ersten zentralen Hebel, um Jugendliche für eine duale Ausbildung zu begeistern." Hier sei ein „deutlich wachsendes Engagement" festzustellen, so der DIHK. Gerade an Gymnasien sei das Angebot jedoch häufig noch unzureichend. Die Organisation setze sich dafür ein, eine größere Offenheit für Betriebspraktika, Unternehmensbesuche in Schulen und Angebote zur Berufsorientierung zu erreichen. (az)
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