Serie: Praktikum im Ausland

Von Berlin nach Dublin


Große Weidelandschaften kennzeichnen das „Golden Vale“ in der irischen Grafschaft Tipperary. Doch das ländliche Idyll trügt die Agrarwissenschaftlerin Antonia Küter nicht. Nach ihrem Praktikumsaufenthalt im vergangenen Jahr weiß sie, dass die Milchproduktion für sie die härteste Form der Landwirtschaft ist. Umso ungerechter erscheint ihr die aktuelle Marktsituation. Die junge Frau weiß, wovon sie spricht: Zum einen ist sie seit Kindesbeinen fest in der Landwirtschaft verankert, zum anderen verbrachte Küter vier Monate auf dem Milchviehbetrieb ihrer irischen Gastfamilie. Deswegen fällt es ihr besonders leicht, klare Worte zu finden: „Obwohl mir die Arbeit viel Freude bereitete, finde ich es klüger, nicht in der primären Tierproduktion zu arbeiten. Denn der persönliche Aufwand ist zu groß für zu wenig Wertschätzung durch die Gesellschaft und den Markt.“ Die Zeit im Ausland hat Küter selbstbewusster gemacht: „Ich habe gelernt, meinen eigenen Entscheidungen zu vertrauen.“

Gut organisiert
Den Praktikumsaufenthalt in Irland, inklusive Visum, organisiert die Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbands mit der Organisation Equipeople. Die Arbeit der Praktikanten wird von den Betrieben entlohnt.

Mehr Informationen
gibt es direkt beim Anbieter:
Equipeople Ltd, Garryhinch,
Portarlington, Co. Laois, Ireland. Telefon: +353 (0) 5786 43195, E-Mail: info@equipeopleworkexperience.comaz
Anfangs fühlte sich Küter mit der Arbeit und dem Umgang mit den Kühen überfordert. „Ich hatte noch nie zuvor eine Kuh gemolken. Dann stand ich das erste Mal in der Grube des Melkstandes: das Euter der Kuh auf Augenhöhe, vor mir die Hinterbeine, die nur darauf zu warten schienen, nach mir zu treten, und der peitschende Schwanz. Plötzlich kam mir meine Entscheidung, Kühe melken zu wollen, sehr unüberlegt vor.“ Drei Monate später konnte sie die gesamte Herde melken. Auf der Farm hält ihre Gastfamilie rund 450 männliche und weibliche Tiere der Rasse Holstein Friesan. Sobald es die Witterungs- und Bodenverhältnisse zulassen, geht die Herde tagsüber auf die Weide, später dann sogar über Nacht. Sie grasen mitten im saftigen, nährstoffreichen Grün.

Zurück in Deutschland, träumt Küter von einer Karriere in der Kommunikationsbranche. „Ich habe gelernt, dass neben der Arbeit vor allem die menschlichen Beziehungen und der Umgang miteinander entscheidend für ländliche Regionen sind.“ Dazu zählt auch die Akzeptanz der Städter. Deswegen diskutiert Küter viel mit ihren Mitbewohnern in der Berliner WG. Eines macht Irland schon besser als Deutschland: Die Arbeit einzelner Farmer wird in den Discountern Aldi und Lidl mit Werbeplakaten honoriert. Das wirkt. Die Iren sind stolz auf ihre Bauern. (has)
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