Lebensmittelabfälle

Weniger für die Tonne

Etwa 8 Mio. t vermeidbare Lebensmittelabfälle landen laut Daten des Thünen-Institus in Deutschland  jedes Jahr im Müll. Obst und Gemüse, Bäckereien, Privathaushalte und Schulverpflegung – für diese vier Produktions- und Konsumsegmente haben Wissenschaftler im Forschungsprojekt Refowas (Reduce Food Waste) Handlungsoptionen zur Abfallvermeidung erarbeitet.

Bei der Produktion von Obst und Gemüse etwa kommt der Schnittstelle zwischen Erzeugern und Lebensmitteleinzelhandel (LEH) eine besondere Bedeutung zu. „Die Standards der Lebensmitteleinzelhändler bei optischen Kriterien liegen höher als gesetzlich vorgeschrieben. Die Händler haben hierfür zwar gute Gründe, wie den Ästhetikwunsch der Kunden, allerdings führen diese hohen Standards auch dazu, dass oft ein wesentlicher Teil der Erzeugung nicht verkauft werden kann. Wir sehen es hier als eine wichtige Aufgabe, Verbraucherinnen und Verbraucher stärker für diese Thematik zu sensibilisieren und Gespräche zwischen den zwei Parteien in Gang zu bringen“, so Walter Dirksmeyer, verantwortlicher Wissenschaftler der Fallstudie ´Obst und Gemüse´ am Thünen-Institut für Betriebswirtschaft. Aber auch eine verstärkte Beratung für die Produzenten, die Vermarkter und eine stärkere Kooperation würde zu einer Reduzierung der Abfälle beitragen.

Bei den Bäckereien hingegen liegt laut Thünen-Institut eine große Chance darin, genaue Prognosesysteme für die einzelnen Filialen zu nutzen. Diese Systeme arbeiten mit Informationen zur Produktion in der Vergangenheit und verknüpfen diese mit weiteren Faktoren, wie Wetter und Ferientage. So lässt sich die Produktion bedarfsgerechter planen und die Verluste sind geringer als bei emotionalen Entscheidungen, die aus der Situation heraus getroffen werden. Allerdings: „Nicht alle Maßnahmen, durch die eine Reduktion der Lebensmittelabfallmengen herbeigeführt wird, verringern auch die damit verbundenen Umweltwirkungen, wie den Energieverbrauch, die Treibhausgasemissionen oder führen zu einer Kosteneinsparung“, weiß Dominik Leverenz von der Universität Stuttgart. Deshalb würden die vorgeschlagenen Reduzierungsmaßnahmen in den verbleibenden Monaten der Projektlaufzeit noch hinsichtlich ökologischer und betriebswirtschaftlicher Aspekte analysiert.


Das Forschungsprojekt 'Refowas' wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Förderschwerpunkts Sozial-ökologische Forschung (SÖF) gefördert. Seit Juni 2015 arbeiten die Projektpartner vom Thünen-Institut, der Universität Stuttgart, dem Max-Rubner-Institut und der Verbraucherzentrale NRW an der Entwicklung von Handlungsoptionen für die Vermeidung von Lebensmittelabfällen. (Sz)
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