Zwangsquote vorerst vom Tisch

Die einheitliche Frauenquote hat in Europa doch keine Chance. Die EU-Kommission konnte sich nicht auf einen Gesetzentwurf für eine verbindliche Vorgabe einigen.

Die Entscheidung über den Vorschlag von EU-Justizkommissarin Viviane Reding, europaweit 40 Prozent der Aufsichtsratsposten börsennotierter Unternehmen mit Frauen zu besetzen, wurde vertagt. Reding soll nun einen modifizierten Vorschlag erarbeiten. 

Neben der Ankündigung von neun EU-Ländern, darunter Großbritannien und die Niederlande, die Frauenquote zu blockieren, äußern sich auch Unternehmen kritisch zu dem Vorhaben. Vor allem Branchen, die traditionell wenig Frauen in Führungspositionen beschäftigen, sehen in einer Zwangsquote die Gefahr, nicht genug qualifiziertes Personal zu bekommen.

Eher dünn besetzt sind auch börsennotierte Unternehmen aus der Agrarwirtschaft. Bei der KTG Agrar AG sitzt eine Frau im dreiköpfigen Aufsichtsrat. Im Aufsichtsrat der BASF SE steht es zwei zu zehn, bei der Bayer AG drei zu 20Die KWS Saat AG und die K+S Gruppe können schließlich nur auf eine Frau in ihrem mit jeweils 16 Personen besetzten Kontrollgremium verweisen. 

Der Deutsche Landfrauenverband setzt sich seit längerem für eine gesetzliche Quote in Führungsetagen und Vorständen ein. Qualifizierte Frauen gäbe es genug. Denn die Bildungsabschlüsse von Frauen sind so hoch wie nie zuvor. Die Mehrheit der Absolventen landwirtschaftlicher Studiengänge ist mittlerweile weiblich. Dennoch ändere sich seit Jahren nichts an ihrer zahlenmäßigen Unterrepräsentanz Führungsetagen, argumentieren die Landfrauen. 

Auch in der deutschen Politik ist das Thema umstritten. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) plädiert für eine feste Quote von 30 Prozent. Bundesfamilienministerin Christina Schröder (auch CDU) kämpft für die „Flexiquote“, nach der sich börsennotierte Unternehmen eigene Ziele für den Anteil von Frauen in Führungspositionen geben können. (kbo)
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