Die gesellschaftliche und politische Diskussion über Landwirtschaft dreht sich in der Wahrnehmung der jungen Generation nicht mehr darum, wie Landwirtschaft betrieben werden kann, sondern ob überhaupt noch. „Wir stellen uns immer häufiger die Frage, ob überhaupt noch Landwirtschaft bei uns möglich ist“, beschreibt Eric Brenneke die Sorgen auf dem Junglandwirtetag in Cloppenburg. Er wiederholte das Angebot, die hohen Ansprüche der Gesellschaft erfüllen zu wollen. „Dafür sind wir offen, aber wir müssen auch dafür bezahlt werden, sonst geht das Höfesterben ungebremst weiter“, sagt Brennecke vor rund 500 Teilnehmern in Cloppenburg. Eric Brenneke wünschte sich eine neue Einstellung zu Lebensmitteln, unter anderem eine höhere Wertschätzung.

Werner Schwarz, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, befürchtete den Verlust der Freiheit in einem immer engeren Korsett von Gesetzen, gesellschaftlichen Erwartungen und medialem Druck. Der Landwirt hingegen orientiere sich an den Bedürfnissen seiner Tiere und Pflanzen. 

Über die großen Missverständnisse zwischen Landwirten, Medien und Verbrauchern berichtet Dr. Gaby-Fleur Böl vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin. Optimierte Anbaumethoden, moderne Technologie und genaue Analytik hätten Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln signifikant gesteigert. Die gefühlte Risikowahrnehmung dagegen nehme zu. Vollständig ließen sich Unsicherheiten eben nicht ausräumen. Sie maß insbesondere Medien eine große Verantwortung bei einer wissenschaftlich begründeten Risikokommunikation zu.

Dass es die Hofnachfolger ernst meinem mit ihrem Wunsch nach einem offenen Dialog zeigen Jana Eilers und Julius Ellmann. Sie engagieren sich auf ihren Höfen in der Öffentlichkeitsarbeit und haben Besuchergruppen zu Gast. „Transparenz lohnt sich“, sagt Eilers. „Engagiert euch!“, appelliert Brenneke. Die Landwirte sollten sich als Kandidaten für die anstehenden Kommunalwahlen aktiv in die Politik einbringen. (az)
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