Alternative Proteinquellen

Insekten-Fabrikanten


Dr. Jonas Finck, Kai Hempel und Henrik Reichstein (v.l.).
Bild: Natalie Färber
Dr. Jonas Finck, Kai Hempel und Henrik Reichstein (v.l.).

Drei junge Männer aus Leipzig produzieren Protein aus Insekten. Das aber bald im großen Stil für die Futtermittelindustrie. Das Projekt böte eine nachhaltige Proteinquelle.

"Wir sind überzeugt, dass die Kreislaufwirtschaft intensiviert werden muss und unsere nachhaltig hergestellten Proteine aus Insekten vom Futtermittelmarkt dringend benötigt werden", sagt der 32-jährige promovierte Biologe Jonas Finck. Gemeinsam mit seinen Kollegen Kai Hempel und Henrik Reichstein züchtet er in der eigenen madebymade GmbH Larven der Soldatenfliege und verarbeitet diese zu Proteinmehl.

Die drei jungen Männer haben noch viel vor: Für die weltweite Produktion planen sie eine modulare und standortunabhängige Industrieanlage. "Die Prognose der Welternährungsorganisation lautet, dass im Jahr 2050 im Vergleich zum Jahr 2007 rund 50 Prozent mehr Proteine benötigt werden ", betonen die Firmengründer. Diese Entwicklung zeige die Notwendigkeit, neue Proteinquellen zu erschließen.

Die Landwirte der Agrarprodukte Kitzen eG sind sich dieser Notwendigkeit bewusst und unterstützen die jungen Gründer im Erreichen ihrer Ziele. Seit gut einem Jahr werden die Hallen einer ehemaligen Pelletieranlage bei Leipzig von der Agrargenossenschaft an die Gründer vermietet. In der dortigen Pilotanlage wurde das Konzept für den Industriemaßstab erfolgreich demonstriert. "Dieser Schritt ist essenziell – denn erst die industrialisierte Herstellung von Insektenproteinen macht diese Proteinquelle für die Futtermittelindustrie interessant", berichtet Finck.

Verwerter für organische Reststoffe

Mit ihrem modularen Konzept kann flexibel, individuell und standortunabhängig auf verschiedene Zielgruppen eingegangen werden, ohne dass Planungskosten entstehen. Zusätzlich zu Futtermühlen, die das Proteinmehl in der Tierernährung verwerten könnten, gibt es viel Potenzial. Organische Reststoffe können von den Larven verwertet werden. Das führe zu regelmäßigen Anfragen von Reststoffproduzenten aus dem In- und Ausland. "In unserer Pilotanlage verwerten wir rund 500 Kilogramm Obst- und Gemüsereststoffe pro Woche." Das ernährt 200 kg lebende Larven, aus denen 50 kg Proteinmehl hergestellt werden.

Die Nachhaltigkeit wird durch die bei der Produktion entstehenden Nebenprodukte unterstützt. Die gezüchteten Larven der Soldatenfliege erzeugen verwertbaren Dung. Dieses rieselfähige Substrat weist gute Düngereigenschaften auf. Außerdem sei es nicht ausgeschlossen, dass tierische Proteine künftig wieder als Futtermittel in der Hühnerzucht eingesetzt werden. Neben dem Markteintritt in etablierte Absatzmärkte wie die Heimtierernährung steht dem Trio also durchaus eine Vielzahl an weiteren Optionen offen. "Auch die Aquakultur ist ein Wachstumsmarkt, der auf tierische Proteine zur Fütterung angewiesen ist."

Nachhaltige und wirtschaftliche Quelle

Die Gründer haben neben der Wirtschaftlichkeit ihres Produkts den Anspruch, damit eine nachhaltige Proteinquelle zu erschließen. "Weder die Verwendung von Soja noch Fischmehl erfüllt dieses Kriterium. Die Fanggründe sind kaum kontrollierbar, der Sojaanbau zerstört ganze Landstriche." Ihr Konzept kann überzeugen.

Das Trio konnte die Golzern Holding früh als Investor gewinnen. Der sächsische Investor unterstützt das Start-up dabei, eine marktreife Industrieanlage zu realisieren. "Wir sind jetzt in Gesprächen mit Banken", so Finck. Nach dem Bau der Anlage steht der Verwertung von Reststoffen und der Produktion von nachhaltigen Proteinen nichts mehr im Wege.

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