Alternativer Pflanzenschutz

RNA-Spray für den Acker

Ackerpflanzen gegen Schädlinge mit Hilfe von RNA-Sprays zu impfen, sind in der Forschungslandschaft nichts Neues. Bisher galt die Herstellung jedoch als zu teuer. Ein Forscherteam meint die Lösung gefunden zu haben.

Neonicotinoiden droht hierzulande das Aus, die Anwendung von Glyphosat wird stetig eingeschränkt. Darüber hinaus nehmen Resistenzen weltweit stark zu. Landwirte benötigen dringend alternative Strategien, um Schädlingen Herr zu werden. Der schwierige Kampf gegen Ackerfuchsschwanz ist nur ein Beispiel, auch Kartoffelbauern plagen sich in bestimmten Regionen mit resistenten Formen der Kartoffelzystennematoden.

Forscher aus Finnland und Frankreich, die kürzlich eine Studie in der Fachzeitschrift „Plant Biology Journal“ veröffentlicht haben, verkünden darin eine frohe Botschaft: Sie hätten eine Herstellungsweise von RNA-Sprays gefunden, die das Produkt zur Marktreife führen könnte. Bisher scheiterte ein kommerzieller Einsatz des Sprays an der Kostenhürde: Die Produktion von RNA ist zu teuer.

Könnte RNA-Spray dem TuY-Virus den Garaus machen?
Könnte RNA-Spray dem TuY-Virus den Garaus machen?

Auswirkungen auf die Umwelt sind noch unklar.

RNA-Sprays werden auf die Blätter von Ackerpflanzen gesprüht. Die Pflanze nimmt die RNA auf. Im Pflanzeninneren interagiert die synthetisch hergestellte RNA mit der spiegelbildlichen RNA des Virus und legt die Moleküle still. Das Virus lässt sich anschließend nicht mehr replizieren. Gegenüber herkömmlichen Methoden zum Pflanzenschutz haben RNA-Sprays den Vorteil, dass sie wesentlich schneller produziert werden als beispielsweise gentechnisch modifizierte Pflanzen, deren behördliche Zulassung einige Jahre dauert. Einen großen Vorteil des Verfahrens sehen die Forscher in der Spezifität der synthetisch hergestellten RNA-Moleküle, die lediglich passende Virenstrukturen zerstören würden, in der schnellen Abbaubarkeit und der Unmöglichkeit der Resistenzbildung. Bislang nicht untersucht worden ist, wie sich die Moleküle auf andere Pflanzen und Tiere auswirken, die zufällig passende Genstrukturen beherbergen, an die sich die künstliche RNA anlagern könnte. Das ist noch ungeklärt. 

Für die neue Herstellungsmethode haben die Forscher Komponenten aus der Vervielfältigungsmaschinerie eines Virus in ein Bakterium eingebaut. Dieses Bakterium, so teilen die Forscher mit, produziere nun fortwährend und stabil die gewünschte synthetische RNA. Das „Reproduktionsbakterium“ ließe sich darüber hinaus unkompliziert in großen Fermentern züchten, was die Kosten deutlich senke. 

Allerdings, so muss eingeschränkt werden, bleibt trotz Herstellungsmethode unklar, wann der „Impfstoff“ für Pflanzen auf den Markt kommt. Bisher gibt es noch keine rechtlichen Rahmenbedingungen für die Nutzung von doppelsträngiger RNA als Pflanzenschutzmittel. Für eine kommerzielle Anwendung außerhalb von Versuchsfeldern ist dies aber notwendig.

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