Ausbildung

Einige Azubis fühlen sich ausgenutzt


Die landwirtschaftliche Ausbildung braucht neuen Schwung. Sowohl im Bereich Soft Skills als auch in puncto Arbeitsbelastung für den Nachwuchs gibt es Änderungsbedarf. Experten sind auf der DBV-Fachtagung konkret geworden.

Wie lässt sich die landwirtschaftliche Ausbildung ändern? Zu diesem Zweck trafen sich am Dienstag Branchenvertreter auf der Fachtagung des Deutschen Bauernverbands (DBV). Unter dem Motto „Ausbildungsqualität im Praxischeck – Image und Perspektiven der agrarischen Berufsausbildung“ diskutierten Ausbilder, Berater, Berufsschullehrer und Wissenschaftler. Innerhalb der Branche sieht man Optimierungspotenzial, damit der Beruf des Landwirts attraktiv und zukunftsfähig bleibt.

Der 49-jährige gelernte Landwirtschaftsmeister Enno Garbade bildet den Nachwuchs selbst aus. Gleichzeitig ist er stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes Wesermünde in Niedersachsen. Er berichtete, dass Auszubildende laut Umfragen der vergangenen Jahre einiges bemängeln. Die jungen Leute sind unzufrieden darüber, dass Wochenendarbeit und Überstunden nicht vergütet werden. Außerdem fehle es manchen an Lob. Hinzu kommt, dass sich wohl einige Ausbildungsbetriebe nicht an den vorgesehenen Ausbildungsplan halten.

DBV fordert 40-Stunden-Woche

Auch der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbands, Werner Schwarz, der für Berufsbildung und Bildungspolitik zuständig ist, bestätigt gegenüber dieser Zeitung, dass sich das Berufsbild des Landwirts wandelt. „Auch die Arbeitszeit der Auszubildenden wird sich zur 40-Stunden-Woche hin orientieren müssen, so wie es in anderen Branchen bereits üblich ist.“ Bisher arbeiten Azubis allerdings durchschnittlich 57 Stunden pro Woche, ergab eine Umfrage unter 78 Befragten. Einige wenige packten 14 Stunden täglich mit an. Die Auszubildenden werden in Niedersachsen zwar im Durchschnitt übertariflich bezahlt, sagte Garbade. Doch manches Mal ist es auch deutlich weniger.
„Später braucht der Unternehmer Soft Skills.“
Werner Schwarz, Vizepräsident DBV , 

Ferner kritisierte Werner Schwarz gegenüber dieser Zeitung, dass studierte Agrarwissenschaftler, die später als Lehrer vor den Auszubildenden stehen, manchmal zu wenig praktische Erfahrungen haben. Je nach Lehrplan würden diese zwar kurze Praktika absolvieren, jedoch reiche dies nicht aus, um wirklich Bescheid zu wissen. Immerhin steht der Berufsstand vor neuen Herausforderungen. Neben Lehrinhalten im Bereich Digitalisierung wollen die Experten Lehrinhalte im Bereich Pädagogik ändern: Auszubildende in der Landwirtschaft sollen „Soft Skills“ vermittelt bekommen. Bisher werde eine offene, wertschätzende Gesprächskultur nicht bewusst vermittelt.

Zu schroffer Umgang unter Auszubildenen

Manchmal sei der Umgang der jungen Menschen untereinander recht schroff, besonders im Bereich soziale Medien. Im späteren Berufsleben müsse der Nachwuchs, der als Unternehmer einen eigenen Hof führe, allerdings große Mannschaften leiten. Wer gegenüber seinen Kollegen oder Arbeitnehmern den Ton verfehlt, hat es schwer, weiß die Branche. Neben Soft Skills soll die Ausbildung auch den Umgang mit digitalen Management-Systemen sowie Datenschutz erklären. Man müsse den jungen Menschen die Angst vor der Digitalisierung nehmen. Dies soll die Ausbildung künftig leisten, meinte Schwarz. Neben praktischer Stallarbeit muss er digitale Systeme verstehen, um Daten sinnvoll zu lesen.

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