Noch gibt es genügend Nachwuchs für den Beruf Landwirt. Doch die Konkurrenz für den Ausbildungsberuf nimmt zu. Ausbildungsexperte Richard Didam, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, erläutert, unter welchen Bedingungen der Beruf auch in Zukunft attraktiv bleibt.

az: Wie steht es um den Beruf Landwirt, gibt es ausreichend Nachwuchs in Niedersachsen?

Didam: Ja, wir sind noch gut versorgt. Derzeit beenden zwischen 800 und 900 angehende Landwirte jährlich ihre Ausbildung. Doch der demografische Wandel und die Konkurrenz mit anderen Wirtschaftsbereichen, vor allem mit handwerklichen Berufen und Jobs in der Agrarindustrie, wird in den kommenden Jahren Spuren hinterlassen.

Wie lässt sich die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen?

Didam: Insgesamt betrachtet hinkt der Agrarbereich anderen Branchen bei den Löhnen etwas hinterher. Hier muss aus meiner Sicht künftig nachgebessert werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das umfasst auch einen sachgerechten Ausgleich angefallener Mehrarbeit. Weiterhin gilt es, die Arbeitsbedingungen und das Betriebsklima in den Unternehmen positiv zu gestalten. Auf Dauer wird die Landwirtschaft für potenzielle Arbeitnehmer nur interessant bleiben, wenn diese Faktoren erfüllt sind.
Zur Person
Der 63-jährige Richard Didam ist auf einem Rindviehbetrieb im Hochsauerlandkreis aufgewachsen. Er studierte Agrarwissenschaften an der Georg-August-Universität in Göttingen. An der LWK Niedersachsen ist er für die Aus- und Fortbildung in den Berufen Landwirt und Fachkraft Agrarservice zuständig.


Übernehmen die ausgebildeten Landwirte in der Regel den Hof ihrer Eltern? Oder finden diese andere Jobs?

Didam: Der Großteil, das sind bei uns rund siebzig Prozent, kommt von landwirtschaftlichen Höfen und will den elterlichen Betrieb übernehmen. Doch der Anteil derjenigen, die nicht aus der Landwirtschaft kommen, das sind die restlichen dreißig Prozent, wächst stetig, weil es freie Stellen für landwirtschaftliche Angestellte gibt. Das mag merkwürdig klingen, weil es einen deutlichen Rückgang der Betriebe – allgemein als Höfesterben bezeichnet – gibt. Nichtsdestotrotz wachsen die verbleibenden Betriebe, und diese großen Unternehmen brauchen mehr Arbeitskräfte. Ein kleiner Teil wählt eine beratende Tätigkeit im vor- oder nachgelagerten Bereich oder absolviert später ein Studium, um innerhalb der Agrarbranche entsprechende Jobs zu finden.

Inwiefern spielt das Thema Tierwohl eine Rolle in der Ausbildung?

Didam: Das Tierwohl siedeln wir hoch an, um die Auszubildenden auch für Haltungsmängel auf den Betrieben zu sensibilisieren. Wir haben derzeit etwa 2500 anerkannte Betriebe, die aktiv ausbilden möchten. Diese Betriebe stehen unter besonderer Beobachtung. Bei Verstößen besteht die Möglichkeit, Betrieben die Ausbildung zu untersagen. Dieser Fall tritt insgesamt eher selten ein. Vielfach ziehen sich die ‚schwarzen Schafe‘ nach entsprechender Verwarnung schon freiwillig aus der Ausbildung zurück.

Was bedeutet Fehlverhalten?

Didam: Verstöße gegen das Tierwohl ziehen häufig schlechtere biologische Leistungen nach sich. Ich denke dabei zum Beispiel an Überbelegung oder zu enge Boxen im Rinderbereich. Wir sensibilisieren dafür, den Kuhkomfort anhand vorgegebener Kriterien zu beurteilen. Es kann keinem Betriebsleiter daran gelegen sein, Tiere leiden zu lassen und dabei wirtschaftliche Verluste hinzunehmen. Das begreifen die Auszubildenden eigentlich ziemlich schnell.

Verdirbt die gesellschaftliche Diskussion um Probleme in der Landwirtschaft den Auszubildenden den Spaß am Beruf?

Didam: Das beobachte ich nicht. Im Vordergrund steht die Arbeit im Freien, mit Tieren und moderner Technik. Ich denke, den Rest verdrängen die jungen Leute, zumal vieles für übertrieben gehalten wird. Andererseits stelle ich fest, dass die jungen Menschen Diskussionen nicht aus dem Wege gehen und Stellung beziehen.

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