Ausbildungsberufe

Meisterin mit Saatgutexpertise

Marie-Luise Richter möchte sich weiterbilden und stärker betriebswirtschaftlich einbringen.
Foto: privat
Marie-Luise Richter möchte sich weiterbilden und stärker betriebswirtschaftlich einbringen.
Artikel anhören
:
:
Info
Abonnenten von agrarzeitung Digital können sich diesen Artikel automatisiert vorlesen lassen.

Zu den Ausbildungsberufen im Agrarbereich gehören auch die „grünen 14“, darunter das noch recht junge Berufsbild des Pflanzentechnologen. Kürzlich wurden die ersten Meistertitel verliehen.

Die staatlich anerkannte Fortbildung zum Pflanzentechnologiemeister ist ein praktisch orientierter Berufsabschluss als Alternative zur akademischen Weiterbildung. Die Teilnehmer können sich vertieftes Fachwissen aneignen und erhalten die Befähigung, selbst auszubilden. Seit 2019 bietet der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) dazu einen berufsbegleitenden Vorbereitungskurs an. Dieser findet über drei Jahre als Blockkurs für jeweils acht Wochen in den Wintermonaten in Gatersleben in Sachsen-Anhalt statt. In drei Modulen werden Inhalte zu den Bereichen Pflanzenkultur, Verfahrens- und Untersuchungstechnik und Dienstleistungen, Betriebs- und Unternehmensführung sowie Berufsausbildung und Mitarbeiterführung vermittelt.

„Die Absolventen werden so auf Führungspositionen in unseren Mitgliedsunternehmen sowie öffentlichen Einrichtungen im Agrarbereich vorbereitet“, fasst Jürgen Held im Gespräch mit der agrarzeitung die Fortbildungsinhalte zusammen. Der Jurist arbeitet als Referent Abteilung Handel und Leiter des Projekts Pflanzentechnologiemeister beim BDP. „Gerade der betriebswirtschaftliche Teil und die Möglichkeit, mit dem Meistertitel selbst auszubilden, bietet hierbei einen deutlichen Mehrwert.“ Der Kurs richtet sich in erster Linie an ausgebildete Pflanzentechnologen mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung. Die Zulassungsvoraussetzung ist auch mit einer vergleichbaren Ausbildung wie Landwirtin, Agrartechnische Assistentin (ATA) oder Gärtner und entsprechender mehrjähriger Berufserfahrung erfüllt.


So wie bei Marie-Luise Richter. Die 26-Jährige absolvierte ihre praktische Ausbildung zur ATA bei dem Pflanzenzüchtungsunternehmen KWS Saat auf der Zuchtstation in Klein Wanzleben nahe Magdeburg in den Fruchtarten Zuckerrübe, Mais und Sorghum. Sie wurde dort in den Bereichen Versuchswesen, Produktion und Labor ausgebildet. Seit 2020 ist sie bei der KWS Lochow im niedersächsischen Wohlde als Versuchstechnikerin tätig. Sie ist eine von insgesamt 17 Absolventen, die den Vorbereitungskurs und die anschließende Meisterprüfung erfolgreich bestanden haben. Ihre Leidenschaft für den Beruf und die persönliche berufliche Weiterentwicklung waren für sie dabei die Hauptmotivationen.

Speziell auf das Thema Pflanze zugeschnitten

„Ursprünglich wollte ich nach meiner Ausbildung ein Agrarstudium absolvieren. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass die Fächer recht breit aufgestellt sind und auch Themen wie Tierproduktion einen Schwerpunkt darstellen – das war nichts für mich. Die Meisterausbildung ist dagegen die direkte Fortbildung für den Job und speziell auf das Thema Pflanze zugeschnitten“, begründet Marie-Luise Richter ihre Entscheidung. „Es muss auch bei den Unternehmen ein Umdenken einsetzen, dass nicht unbedingt ein akademischer Abschluss für eine Führungsposition notwendig ist. Der Meistertitel muss den Stellenwert erhalten, den er verdient. Es gibt so viele Einsatzgebiete für uns. Schließlich sind wir Vollprofis rund ums Saatgut.“

Marie-Luise möchte sich in Zukunft auch stärker betriebswirtschaftlich einbringen. „Dank dem Ausbildungsmodul Betriebswirtschaft und Unternehmensführung bekommt man einen Blick von der anderen Seite auf die Prozesse im Betrieb und lernt, wie man effizienter und besser plant. Besonders Investitionsplanung spielt eine große Rolle, um fortschrittlich arbeiten zu können.“ Das Modul Mitarbeiterführung und Ausbildung schärfe dagegen das Auge für das Führen von Personal und das Ausbilden junger Menschen. „Man wird professioneller und bekommt das Handwerkszeug, um besser auf Mitarbeiter einzugehen“, sagt Marie-Luise. Außerdem schätzt sie die Kontakte, die sie in den vergangenen drei Jahren geknüpft hat. „Das Netzwerk zwischen Kommilitonen, Lehrern und Prüfern, das man während der Fortbildung aufbaut, ist unbezahlbar.“

Die Fortbildung bietet aber nicht nur den frisch gebackenen Meistern einen Mehrwert. „Die Meisterfortbildung ermöglicht es den Unternehmen, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gezielt zu fördern und dadurch die Personalbindung zu stärken. Das ist insbesondere in der Agrarbranche wichtig, da hier viele Unternehmen nicht zentral, sondern im ländlichen Raum liegen und unter Fachkräftemangel leiden“, sagt Jürgen Held. „Die Jugend hat große Lust auf grüne Berufe, muss dabei aber auch gewisse Entbehrungen in Kauf nehmen. Hier sollte über eine bessere Förderung von staatlicher Seite nachgedacht werden.“

Der nächste Vorbereitungskurs des BDP startet übrigens am 14. November 2022. Es sind noch Plätze frei. Mehr Infos hier.

    stats