Ausbildungsverträge

Mehr Azubis trotz Ausbildungsmängel

Trotz einiger Mängel in der landwirtschaftlichen Ausbildung, haben mehr Jugendliche in diesem Jahr einen Vertrag in den Grünen Berufen abgeschlossen als 2016.

Im Ausbildungsjahr 2017/2018 haben bundesweit rund 13.700 Jugendliche einen Ausbildungsvertrag in den „Grünen Berufen“ abgeschlossen. Gegenüber dem Vorjahr sei dies trotz starker Konkurrenz um Ausbildungsplätze eine positive Veränderung von einem Prozent, teilt der Deutsche Bauernverband (DBV) mit. Bis Ende September 2017 wurden in Westdeutschland rund 11.000 Verträge (+ 0,8 Prozent) abgeschlossen, in Ostdeutschland rund 2.700 (+ 1,8 Prozent).

Beruf des Pflanzentechnologen sehr beliebt

Auf regionaler Ebene steigt die Zahl der abgeschlossenen Verträge in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern um rund 8 Prozent, in Rheinland-Pfalz um rund 7 Prozent, in Niedersachsen um knapp 4 Prozent, in Sachsen-Anhalt um rund 3 Prozent und in Sachsen um rund 1 Prozent. Der Beruf des Pflanzentechnologen erfreut sich mit einem Zuwachs von rund 30 Prozent der größten Beliebtheit, anschließend folgt der Tierwirt mit knapp 8 Prozent.

Nach Einschätzung des DBV wirkt sich die Öffentlichkeitsarbeit für die landwirtschaftlichen Berufe positiv auf die Entwicklung der Ausbildungszahlen aus. Auch die in den letzten Jahren ergriffenen Maßnahmen zur Qualitäts- und Attraktivitätssteigerung der Ausbildungsberufe im Agrarbereich seien Ursachen der positiven Entwicklung. Dass die landwirtschaftliche Ausbildung immer noch neuen Schwung gebrauchen kann, zeigte eine Fachtagung des Deutschen Bauernverbands Ende September. Sowohl im Bereich Soft Skills als auch in puncto Arbeitsbelastung für den Nachwuchs gibt es Änderungsbedarf, monierten Experten der Branche. Auch der Vizepräsident des DBV, Werner Schwarz, der für Berufsbildung und Bildungspolitik zuständig ist, bestätigte damals gegenüber dieser Zeitung, dass sich das Berufsbild des Landwirts wandelt. „Auch die Arbeitszeit der Auszubildenden wird sich zur 40-Stunden-Woche hin orientieren müssen, so wie es in anderen Branchen bereits üblich ist.“

Lange Arbeitszeit

Bisher arbeiten Azubis allerdings durchschnittlich 57 Stunden pro Woche, ergab eine Umfrage unter 78 Befragten. Einige wenige packten 14 Stunden täglich mit an. Die Auszubildenden werden in Niedersachsen zwar im Durchschnitt übertariflich bezahlt. Doch manches Mal ist es auch deutlich weniger. Ferner kritisierte Werner Schwarz gegenüber dieser Zeitung, dass studierte Agrarwissenschaftler, die später als Lehrer vor den Auszubildenden stehen, manchmal zu wenig praktische Erfahrungen haben.

Neben Lehrinhalten im Bereich Digitalisierung wollen Experten Lehrinhalte im Bereich Pädagogik ändern: Auszubildende in der Landwirtschaft sollen „Soft Skills“ vermittelt bekommen. Bisher werde eine offene, wertschätzende Gesprächskultur nicht bewusst vermittelt. Manchmal sei der Umgang der jungen Menschen untereinander recht schroff, besonders im Bereich soziale Medien. So ließe sich im späteren Berufsleben, sprich als Unternehmer auf dem eigenen Hof, keine große Mannschaft leiten.

Nichtsdestotrotz wird sich der Bedarf an Fachkräften im landwirtschaftlichen Bereich in den kommenden Jahren nach Einschätzung des DBV weiter erhöhen. Gründe sind die steigenden und sich wandelnden beruflichen Anforderungen sowie strukturelle Entwicklungen.

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