Berufseinsteiger wollen wissen, welche Gehaltsforderung sie stellen können. Während des Agrar-Karrieretags der agrarzeitung (az) an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn gibt Beraterin Jennifer Neumann, AFC Personalberatung, Tipps. Selbst die Stellenausschreibung hilft, um den Verhandlungsspielraum einzuschätzen.

Berufseinstieg: Agrar-Karrieretag Bonn


Konkrete Zahlen zur Gehaltshöhe kann Jennifer Neumann während des Agrar-Karrieretags, den die agrarzeitung (az) am Mittwoch gemeinsam mit dem VDL Berufsverbandw an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn veranstaltet hat, nicht nennen. Dafür spielen zu viele Faktoren – wie Region, Wirtschaftszweig, Abschluss des Arbeitnehmers und Kapitalstärke des Arbeitgebers – eine Rolle.

Ein Hinweis zur Wirtschaftslage kann sein, ob es sich lediglich um eine Nachfolgeposition oder sogar um eine neu geschaffene Stelle handelt. „Im vorgelagerten Bereich sind die Gehälter meist niedriger als im nachgelagerten“, gibt Neumann dennoch eine Tendenz vor. Darüber hinaus rät die Beraterin den Studenten dazu, auf Webseiten wie Glassdoor.de oder kununu.de Gehaltsangaben von Angestellten bestimmter Branchen zu recherchieren und daraus den Durchschnitt zu berechnen. Dies sei eine gute Annäherung für eine realistische eigene Gehaltsforderung.

„Befriedigend ist, wenn beide Seiten verhandeln konnten. “
Jennifer Neumann, AFC Personalberatung, 
Die Studenten wollen wissen, ob es nicht besser ist, zu hoch zu stapeln als zu niedrig. „Setzt Euch eine Schmerzgrenze und ein realistisches Maximum, was ihr verdienen wollt. Daraus ergibt sich die goldene Mitte“, empfiehlt Neumann. Nicht nur für den Arbeitnehmer ist der Verhandlungsspielraum von Bedeutung. „Der Arbeitgeber sollte auch aus dem Gespräch gehen und das Gefühl haben, verhandelt zu haben.“ Das sei für beide Parteien eine befriedigende Situation.

Selbst die Stellenausschreibung liefere schon einen Leitfaden für den Verhandlungsspielraum, sagt Neumann. „Je besser das Matching zwischen Vakanz und Bewerberprofil, desto größer ist der Verhandlungsspielraum.“ Wer das Gefühl hat, schlecht verhandelt und sich unter Wert zu verkauft zu haben, sollte dies tunlichst kommunizieren, bevor dieser die Unterschrift unter den Vertrag setzt, meint Neumann. Ist die Unterschrift bereits gesetzt, ergibt sich die nächste Möglichkeit zur Verhandlung nach der Probezeit, wenn der Arbeitgeber sich schon bewähren konnte, oder im jährlichen Feedback-Gespräch mit dem Vorgesetzten. Selbstverständlich gibt es Fälle, in denen der Arbeitgeber nicht auf die Gehaltsvorstellung eingeht, erläutert die Beraterin. In solch einem Fall muss sich der Bewerber eine gute Argumentation zurechtlegen und könne ein Gehaltsmodell mit gewissen Zielvereinbarungen vorschlagen. „Es reicht nicht zu behaupten, ich will dieses Gehalt, weil ich gut bin.“

Aus dem Publikum im Hörsaal der Universität stellt ein Student die Frage, ob es nicht riskant sei, eine Gehaltsvorstellung zu äußern. Schließlich könne dies doch auch ein Ausschlusskriterium sein. Neumann sagt, es gebe meist eine Verhandlungsbasis, insofern der Bewerber für das Unternehmen sehr interessant sei. „Wenn es um 500 Euro pro Monat geht und Sie interessant für das Unternehmen sind, sollte es eine Verhandlungsbasis geben.“ Wenn der Arbeitgeber nicht schon im Anschreiben um eine Gehaltsvorstellung bittet, ist das Thema ohnehin erst zum Ende des Bewerbungsgesprächs oder sogar erst im Zweitgespräch relevant. So hat der Bewerber Zeit, sich gut zu präsentieren. Neumann weist daraufhin, eine gute Basis für die Gehaltsverhandlung sei, den Mehrwert und das künftige Entwicklungspotenzial für die Firma in den Vordergrund zu rücken.

Die Firma Agrobrain, an der die agrarzeitung beteiligt ist, hat während des Agrar-Karrieretag gefilmt. Das Video finden Sie hier.

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