Marit Gillmeister ist eine von drei Nominierten für den Ideenwettbewerb Agrar und Ernährung.
Foto: Dokuteam Hochschule Anhalt
Marit Gillmeister ist eine von drei Nominierten für den Ideenwettbewerb Agrar und Ernährung.

"Als mein Chef weißliches Pilzmycel auf seinen Stachelbeeren im Garten entdeckte, hat ihn die Experimentierfreude gepackt", erzählt die 37-jährige Ökotrophologin Marit Gillmeister.

So kam Gillmeister, die derzeit an der Hochschule Anhalt promoviert, zu ihrem Dissertationsthema. Ihr Chef, Prof. Ingo Schellenberg vom Institut für "Bioanalytical Sciences", behandelte seine Stachelbeeren nämlich mit einem Rhabarber-Extrakt, das in Arbeiten seiner langjährigen Mitarbeiterin Dr. Kathrin Kabrodt bereits antivirale und andere medizinisch relevante Wirkungen zeigte und nun obendrein dem Pilzmycel den Garaus machte. "Das Mycel färbte sich schwarz und ist schließlich abgestorben", berichtet Gillmeister.

Die Nominierten
Marit Gillmeister ist eine von drei Nominierten für den Ideenwettbewerb Agrar & Ernährung, den die agrarzeitung (az) und die Rabobank gemeinsam mit Die Zeit vergibt. Die Gewinnerin oder der Gewinner wird am 4. Juni während des Zukunftsdialogs Agrar & Ernährung von az und Die Zeit in Berlin präsentiert. In den kommenden Ausgaben stellt die az die ebenfalls für den Ideenwettbewerb nominierten Start-ups madebymade und noyanum vor.

Aus dieser Beobachtung ist die Produktidee entstanden, ein antifungal wirkendes Pflanzenschutzmittel auf Rhabarber-Basis zu entwickeln. Wissenschaftlerin Gillmeister hat anschließend die Feinarbeit übernommen und diverse Versuche mit Weizen- und Gerstenpflanzen vorbereitet und ausgewertet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Das Rohextrakt bekämpft Pilzkrankheiten und wirkt vorbeugend. "Wenn der Bestand je nach Kultur einen leichten Befall von etwa ein bis zwei Prozent aufweist, sollte man als Landwirt für ein optimales Ergebnis sofort reagieren." Erfolgreich konnten so Mehltau, Gelb- und Braunrost in Schach gehalten werden.

Jetzt suchen Gillmeister und Prof. Schellenberg nach Partnern, die verschiedene Formulierungen auf Basis des Rohextrakts herstellen, um anschließend wichtige Kriterien wie beispielsweise Toxizität und Bienenverträglichkeit für die Zulassung zu testen. "Außerdem wäre es wichtig, das Mittel erneut im Freiland zu testen", erläutert die Forscherin. Nicht nur der vergangene Hitzesommer habe dazu geführt, dass in den angelegten Weizen- und Gerstenfeldern für Versuchszwecke zum Teil kaum Pathogene aufgetreten sind. Darüber hinaus wünscht sich Gillmeister, das "biologische Fungizid" in weiteren Kulturen zu prüfen und seine Wirksamkeit zu bestätigen. Wein, Raps, Roggen und Soja fallen ihr sogleich ein. Gillmeister und die Arbeitsgruppe um Prof. Schellenberg arbeiten womöglich an einer zukunftsträchtigen Alternative zu gängigen Pflanzenschutzmitteln.

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