Coaching

Im Ring mit Klitschko


Wladimir Klitschko hat den Ring hinter sich gelassen und ist ein gefragter Speaker und Coach.
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Wladimir Klitschko hat den Ring hinter sich gelassen und ist ein gefragter Speaker und Coach.

Erfolgreiche Sportler arbeiten nach ihrer Karriere oft als Coach oder Berater für Führungskräfte. Manager können viel von ihnen lernen – auch Erstaunliches.

Eine Runde mit Wladimir Klitschko boxen? Lieber nicht, werden die meisten sagen. Dennoch sollten Führungskräfte unbedingt die Gelegenheit zu einer Runde mit Klitschko nutzen – wenn sie die denn bekommen. Das kann man nicht einfach kaufen, für den Weiterbildungsstudiengang „CAS Change & Innovation Management“ mit Dr. Wladimir Klitschko an der Executive School of Management, Technology and Law an der renommierten schweizerischen University of St. Gallen muss man sich bewerben und für 17 Tage 15.000 € zahlen.

Lernen von den Besten

Sport und Management – in beiden Bereichen geht es um Höchstleistung. Was liegt da näher, als nach Gemeinsamkeiten und Übertragungsmöglichkeiten zu suchen? Viele ehemalige Spitzensportler und -sportlerinnen wählen nach dem Karriereende eine Beschäftigung als Coach, Karriereberater oder Trainer – auch außerhalb ihrer Sportart. Seien es bekannte Bergsteiger wie Roland Messner, Leichtathlet Edgar Itt, Olympiadritter im Staffellauf über 400 Meter, Ex-Tennis-Star Andre Agassi, Fußballer David Beckham, die ehemalige Handball-Nationalspielerin Ilka Piechowiak oder die beiden Lauflegenden Dieter Baumann und Usain Bolt: Sie schreiben Bücher und halten Reden zu Themen rund um Business, Management, Führung, Innovation und/oder arbeiten als Führungskräftetrainer.

Auch bei Klitschko geht es unter anderem darum, wie man Herausforderungen meistert, High- Performance-Teams führt, um Entscheidungsfindung, Sozialkompetenz, Selbstvermarktung und Resilienz – Fähigkeiten, die erfolgreiche Sportler ebenso brauchen wie Manager. In einem Buch beschreibt Klitschko, wie man aus Niederlagen lernt, langfristig plant und kontinuierlich Leistung bringt.

Leistungssportler sind wie Manager enormem Druck ausgesetzt und bewältigen diesen, indem sie – meistens – gut motiviert, willensstark, zielstrebig und diszipliniert an Training und Wettkampf herangehen. Sie müssen aber nicht nur im Trainingsalltag der Stoppuhr hinterherlaufen, sondern auch Visionen entwickeln. Wer nie weiter als bis zum nächsten Wettkampf denkt, wird nicht zu Olympia kommen.

Deshalb sind Leistungssportler auch gut darin, sich Ziele zu setzen und dann Strategien zu entwickeln, damit sie diese auch erreichen. Dazu braucht es Ausdauer und Durchhaltevermögen sowie die nötigen Ressourcen – finanziell, aber auch emotional und psychisch. Und nicht zuletzt sind nicht nur Mannschaftssportler, sondern auch Einzelkämpfer heute in der Regel gute Teamplayer, denn ohne Trainer, Coach, Manager, Physiotherapeut keine High-End-Leistung. All diese Anforderungen und Voraussetzungen brauchen auch Manager.

Lernen aus den Unterschieden

Sportliche Erfolge sind leichter messbar als jene in der Wirtschaft, denn sie sind offensichtlich: Tore werden gezählt, Läufer kommen als Erste durchs Ziel oder eben nicht. Managemententscheidungen wirken sich oft erst mit großer zeitlicher Verzögerung aus. Das sofortige Feedback im Sport – Gewinner oder Verlierer, Sieg oder Niederlage, ist eine harte Schule für die Persönlichkeit. Einen weiteren Unterschied benennt Antje Heimsoeth, eine ehemalige Spitzensportlerin, die heute als Expertin für mentale Stärke weltweit Führungskräfte trainiert. Im Interview mit dem Magazin „Markt und Mittelstand“ sagte Heimsoeth, Führungskräfte müssten vor allem bei Regeneration und Erholung von Spitzensportlern lernen.

Was auf den ersten Blick erstaunlich klingt, erschließt sich schnell und hängt mit dem erstgenannten Unterschied zusammen: Sportler trainieren zwar einerseits langfristig ihre Grundkondition, aber letztlich auch immer auf ein relativ nahes Ziel hin. Um ihr höchstes Leistungspotenzial auf den Punkt abzurufen, gehören zu einem ausgefeilten Trainingsplan nicht nur Sporteinheiten, sondern auch Ruhepausen. Der Typ des dauerbetriebsamen Managers, der 24/7/365 seine Teams antreibt, dem fehlt genau das. Und es fehlt auch seinen Teams, denen nicht nur Aufgaben gestellt werden müssen, sondern die auch Zeit und Raum brauchen, um diese zu erfüllen.

Potenzial mit Freude ausschöpfen

Das Selbstvertrauen und die Leistung von Managern ist nur eine von mehreren Erfolgssäulen. Dazu gehören auch ein erfolgreiches Team und Freude am eigenen Tun. Und das gilt eben nicht nur für die Führungskräfte, sondern für das gesamte Team. Die Höchstleistungen erfolgreicher Läuferinnen wären nicht möglich ohne das lange, harte, intensive Training. Aber eigentlich entstehen sie nicht daraus, sonst könnte jeder mit vergleichbarem Trainingsaufwand so schnell rennen wie Usain Bolt. Spitzensportler nehmen die Strapazen in Training und Wettkampf auf sich, weil sie belohnt werden mit Anerkennung. Das motiviert alle, auch Manager und Teams. Und auch das Feiern der eigenen Leistung können Manager sich bei Sportlern abschauen.

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