Der Verbindungsmann

Carsten Gieseler schafft mehr Transparenz

Carsten Gieseler checkt mit der App die Fütterungsdaten im Stall.
René Gaens
Carsten Gieseler checkt mit der App die Fütterungsdaten im Stall.

Wer nach Smart Farming gefragt wird, dem fallen sofort teilflächenspezifische Düngung und moderne Melkrobotik ein. Beide computergestützten Verfahren sind bekanntes Terrain.

Daneben gibt es aber noch ein enormes Potenzial unverarbeiteter Daten, die noch nicht genutzt werden, um die Arbeit von Landwirten und Agrarindustrie zu unterstützen. Das zu ändern ist die Mission von Carsten Gieseler, Gründer des jungen Unternehmens fodjan.
Vor gut einem Jahr hat das Unternehmen das Netzwerk Digitale Landwirtschaft ins Leben gerufen, um die Ängste der Branche abzubauen. Wie wichtig der Austausch über digitale Trends, Datenschutz und herstellerunabhängige Technik ist, zeigt die große Resonanz von Start-ups und Schwergewichten, die sich im Netzwerk engagieren. Zum Beispiel 365Farm-
Net, BASF und Smartbow.

Mit dabei ist natürlich auch das eigene Unternehmen fodjan, altgermanisch für „füttern“, das Landwirt und Agrarökonom Gieseler zusammen mit drei Partnern 2014 gegründet hat. In einem 17-köpfigen Team entwickelt fodjan eine Webplattform inklusive App für das Management der Nutztierfütterung. Dabei stehen nicht nur die Futtergesundheit und die Leistung der Tiere im Fokus, sondern es lassen sich auch bis zu 10 Prozent der Futterkosten einsparen. Fodjan setzt damit alle Akteure rund um die Fütterung an einen Tisch, um mithilfe vernetzter Daten den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden. Gerade in der Tierhaltung steckt noch enormes Potenzial: „Wir verfügen über mehr Daten zur Sensorik von Tieren als im Pflanzenbau. So ist die Ackerschlagkartei auf den Betrieben mehr verbreitet als ein Herdenmanagement.

Das noch unbenutzte Datenmaterial in der Tierhaltung will Gieseler zu sinnvollen Entscheidungshilfen machen. Zusammen mit seinem Team arbeitet er daran, die fodjan- Plattform, die fütterungsrelevante Daten zusammenbringt und daraus konkrete Empfehlungen für die Fütterung gibt, zusammen mit internationalen Partnern des Agribusiness weiter zu optimieren. Immer weiter spannt er das Netz von Laboren, Futtermischwagen, MLP und vieles andere mehr und nutzt diese Daten, um die Planung, Umsetzung und Auswertung der Fütterung mit der App direkt im Stall und im Büro zu ermöglichen. Seine Zielvorgaben im Unternehmen formuliert der naturverbundene Dresdner mit Empathie und lässt genügend Handlungsspielraum für die Mitarbeiter, die sich am Tischkicker austoben und mit kostenlosen Getränken und Obst erfrischen können.

Aus dieser kreativen und motivierenden Arbeitsatmosphäre heraus wurde im fodjan-Team auch die Idee für das Netzwerk Digitale Landwirtschaft geboren. „Wir wollen, dass igitalisierung und damit verbundene Trends in der Landwirtschaft sichtbarer und Trends diskutiert werden“, sagt Gieseler. Das Thema Digitalisierung sollte nicht nur zu Innovationspreisen und Neuigkeitsberichten relevant sein, sagt Gieseler, der 2015 selbst den Förderpreis der Agrarwirtschaft der agrarzeitung (az) entgegennahm.

Die Ideen und Visionen fodjans wie auch anderer digitaler Anbieter im Agribusiness für die zukünftige digitale Landwirtschaft sollen jetzt vor allem jenen aufgezeigt werden, die tatsächlich am Ende damit arbeiten – den Landwirten, Herdenmanagern, Tierärzten, Beratern, Auszubildenden.

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