Pflanzenschutz

"Landwirte müssen umdenken"

Uni Göttingen

Pflanzenschutz und Biodiversität – Lässt sich beides verbinden? Um diese Frage drehten sich die „Agrar Debatten vor Ort“ - ein Diskussionsformat der Uni Göttingen.

Die Botschaft des Plenums bei den AgrarDebatten der Uni Göttingen war ernüchternd und ermutigend zugleich: Pflanzenschutz und Biodiversität ließen sich zwar nur schwer vereinen, das sei aber kein Grund, es nicht doch weiterhin zu versuchen. Zu diesem Ergebnis kamen die Diskutanten am Dienstag, 8. Januar, in der zweiten Ausgabe des Formats „AgrarDebatten“, das vom gleichnamigen Blog der Fakultät der Agrarwissenschaften ins Leben gerufen wurde.  

Die Organisatoren hatten ein buntes Panel an Diskutanten zusammengestellt, die neben der fachlichen Debatte auch kurze Einführungsreferate anboten.  Als Diskutanten waren drei Experten mit unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten von der Uni Göttingen sowie die Leiterin des Pflanzenschutzamtes der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Dr. Carolin von Kröcher, geladen. Der gut gefüllte Hörsaal, meist Studierende und Landwirte, konnte sich ebenfalls an der Diskussion beteiligen.

Mit dabei war auch der Doktorand Sebastian Streit, der in der Abteilung Pflanzenpathologie und -schutz arbeitet. Er warb für eine differenzierte Sichtweise. Integrierter Pflanzenschutz gehe weiter als der chemische Pflanzenschutz, um den sich die öffentliche Debatte meist drehe. Dabei dürfe man nicht außer Acht lassen, dass das Ziel von Pflanzenschutz stets die  Erntesicherung in Menge und Qualität sei. Kultivierung bedeute immer einen Verlust von Biodiversität; der Rückgang der Artenvielfalt habe jedoch vielerlei Gründe, die es zu erforschen gelte. Eine Chance, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren, sieht er in Sortenresistenzen, insbesondere gegenüber Schadinsekten. Dabei müsse das Ergebnis im Vordergrund stehen und nicht die Methode, d.h. es sollte egal sein, ob Resistenzen durch klassische Züchtung, Gentechnik oder aber CRISPR/Cas generiert werden. Maximale Pflanzengesundheit und maximale Biodiversität werde es aber auf einer Fläche nicht geben können, betont er. 

Dem musste auch Dr. Horst-Henning Steinmann vom Zentrum für Biodiversität und nachhaltige Landnutzung zustimmen. In seinem Beitrag zielte er darauf ab, dass sich auch bei den praktizierenden Landwirten etwas ändern müsse, denn Biodiversität sei das „Tafelsilber der Landwirtschaft“, um das es sich zu kümmern gelte. Der Schutz der Biodiversität sei daher Teil des Berufes und müsse in die Lehrpläne. „Wir müssen uns ehrlich auf dieses Thema einlassen“, so Steinmann. Zu mauern oder zu dekonstruieren helfe nicht weiter. Die Landwirte müssten sich öffnen, der Einsatz für mehr Biodiversität müsse Spaß machen.  

Steinmann fand in Carolin von Kröcher von der LWK Niedersachsen eine glühende Unterstützerin seiner Thesen. Das Leitbild eines jeden Landwirtes, so von Kröcher, müsse der integrierte Pflanzenschutz sein. Bei Beratung und Sachkunde dürfe nicht nachgelassen werden. „Da ist noch Luft nach oben in den Betrieben, das ist mir bewusst", sagte von Kröcher. In den Köpfen vieler Landwirte müsse ein Umdenken stattfinden. 

Dr. Sebastian Lakner von der Abteilung Agrarpolitik gab den Hinweis, dass die politisch Verantwortlichen auf das Artensterben bisher nur schleppend reagiert hätten. Zudem würden die finanziellen Mittel falsch oder mit der falschen Priorisierung eingesetzt. Aus seiner Sicht sei etwa unverständlich, warum Agrarumweltmaßnahmen deutlich weniger gefördert würden als etwa das Greening von ökologischen Vorrangflächen. Zudem appellierte er an die freiwillige Initiative der Landwirte, die zwar keine Förderung aber dennoch eine Verbesserung des Images mit sich bringe. 

Weitere Informationen zum Blog der Fakultät finden sich hier.

 

 

 

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