Wissenschaftler ermitteln, in welcher Stallumgebung Legehennen weniger an Federn picken. Ziel ist es, die Tiere dauerhaft davon abzuhalten.

Federpicken ist ein Problem, das vor allem bei Legehennen mit spitzem Schnabel blutig endet. Von den derzeit 40 Millionen Küken, die jährlich schlüpfen, picken rund 10 Prozent ihre Artgenossen bis auf die Knochen oder sogar in den Tod. Seit mehr als einem Jahr hat sich die Geflügelbranche allerdings verpflichtet, die Schnäbel der Tiere, in Anlehnung an das Tierschutzgesetz, nicht mehr, wie bisher üblich, zu kürzen. Nun müssen Tierhalter dem Problem auf anderem Wege Herr werden. Neben erblichen Faktoren, die zur Züchtungsforschung von "Nicht-Picker"-Linien geführt hat, hat die Pickerei ihren Ursprung im Haltungssystem, das sich laut Wissenschaftlern der Universität Hohenheim verbessern lässt. Dabei spielen die Junghennenaufzucht, die Futtergestaltung, sowie Beschäftigung und Belichtung eine Rollle.


Vor allem liegt des Rätsels Lösung darin, die Hühner nach Futter suchen zu lassen. „Hühner sind von Natur aus Futtersucher und damit instinktiv den ganzen Tag mit der Suche nach etwas Essbarem - und damit mit Picken - beschäftigt,“ sagte Prof. Dr. Grashorn, der sich am Institut für Nutztierwissenschaften auf die Geflügelwissenschaft spezialisiert hat. In Legehennenbetrieben jedoch gibt es feste Fütterungszeiten. „Das ist für die Tiere nicht natürlich. Ihr ganzer Organismus ist auf die dauerhafte Futtersuche eingestellt. Ist das nicht gegeben, picken einige von ihnen los. Bereits hier können die Betriebe ansetzen, indem sie die Tiere ausreichend beschäftigen.“ Beschäftigen können sich die Hühner mit Picksteinen oder Weizen in der Einstreu.

Weniger Licht, weniger Picken

Eine weitere Möglichkeit, das Federpicken zu reduzieren, so Prof. Grashorn, sei die Lichtsteuerung. „Laut Tierschutzverordnung hat in den Betrieben eine Belichtungsstärke von 20 Lux zu herrschen. Das entspricht in etwa der Belichtungsstärke einer Fahrradleuchte und ist damit, zumindest für das menschliche Auge, eigentlich ziemlich dunkel.“

Für ein Hühnerauge sei aber auch das noch zu grell. „Hühner bevorzugen eine Beleuchtungsstärke von 5 Lux, das heißt ein Freilandhuhn empfindet bereits das Sonnenlicht als viel zu grell und unangenehm. Viele vergessen oder wissen nicht, dass Hühner ursprünglich einmal Dschungelbewohner waren und im Dickicht der Bäume nach Körnern gesucht haben. Hühner mögen es dunkler.“ Vor allem im Bereich der Lichtregulierung hätten die Betriebe so eine Möglichkeit, auch dann zu reagieren, wenn alle anderen Maßnahmen scheitern und das Picken weitergeht.

Auf der Suche nach den Picker-Genen

Auf Dauer suchen die Forscher nach Möglichkeiten, das Picken komplett auszulöschen – beispielsweise durch genetische Veränderungen. „Wir wissen, dass zwar 85 Prozent des Picker-Verhaltens über die Umwelt beeinflusst wird, 15 Prozent aber auch einen genetischen Ursprung hat.“ Leider gebe es nicht ein einzelnes bestimmtes Gen, das das Federpicken auslöst, erklärt Prof. Grashorn weiter. „Es ist ein Zusammenspiel von mehreren Genen. Diesen genetischen Schalter, der das Picken auslöst, gilt es zu beseitigen. Daran forschen wir.“

Das Projekt wurde vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) Baden-Württemberg initiiert.
stats