Förderpreis

„Begeisterungsfähigkeit ist zentral“


Stefanie Bröring kam erst über Umwege in den Hochschulbetrieb, schaffte es aber schnell an die Spitze. Die Betriebswirtin ist Mitglied in der Jury für den Förderpreis der Agrarwirtschaft, den die agrarzeitung (az) verleiht.

Prof. Dr. Stefanie Bröring
Foto: privat
Prof. Dr. Stefanie Bröring

az: Hat es Sie nach der Auszeichnung persönlich und beruflich weitergebracht, Förderpreisträgerin zu sein?

Bröring: Es hat mir enorm viel Rückenwind gegeben, eine akademische Karriere in Angriff zu nehmen. Schließlich war ich damals noch als Unternehmensberaterin tätig. Die Auszeichnung meiner Doktorarbeit hat mich dazu motiviert, die Option ‚Forschung und Lehre‘ noch mal genauer zu prüfen.
Wie hat der Förderpreis konkret geholfen?
Bröring: Ich bin nach der Auszeichnung zur Jahrestagung der ‚International Food and Agribusiness Management Association‘ gereist, um Kernergebnisse meiner Arbeit vorzustellen. Dort traf ich auf einen Professor der Universität Wageningen. Er fragte mich: „Hast Du nicht Lust, einen Lehrauftrag bei mir zu übernehmen?“ Ich tat es. Anschließend folgte ein Ruf an die Hochschule Osnabrück und so kam eins zum anderen.

Sie leiten den Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement im Agribusiness an der Universität Bonn. Was kommt bei Ihnen noch?

Bröring: … oh, sehr viel! Wir arbeiten daran, dass aus naturwissenschaftlichen Ideen nachhaltigkeitsorientierte Innovationen werden können. Für diese Expertise ist unser Lehrstuhl bekannt. Hervorzuheben ist hier die auf Cross-Industry-Innovationen basierende Bioökonomie, die sich über Branchengrenzen wie Pharma, Chemie und Agrar hinwegsetzt. Zum Beispiel arbeiten wir mit den Kollegen im BioSC, dem Bio Economy Science Center, an Mikrogelen, die sowohl in der Medizintechnik als auch im „smarten“ Pflanzenschutz anwendbar sind. In diesem Umfeld gibt es ständig neue spannende Entwicklungen. Zudem schulen wir Gründer und analysieren, welches Potenzial in neuen Technologien steckt.

In welcher Sparte sehen Sie Potenzial für Gründungen?

Bröring: Im Dienstleistungssektor vor dem Hintergrund der Digitalisierung und der damit verbundenen Möglichkeit, Angebote zu individualisieren, wie wir es im gesamten Bereich ‚Agriculture 4.0‘ sehen. Ebenso in der industriellen Biotechnologie als Treiber für die Bioökonomie: Ein vielversprechender Bereich für neue Geschäftsmodelle ist etwa die Umwandlung von Biomasse in wertgebende Inhaltsstoffe wie Pharmavorprodukte. Wichtig dabei ist die Fähigkeit, unterschiedlichste Wissensfelder zu integrieren. Hier sind Start-ups oftmals agiler und können leichter neue Pfade einschlagen.

Sie sind inzwischen Jurymitglied. Was raten Sie Bewerbern für den Förderpreis?

Bröring: Wer sich möglichst authentisch mit einem Thema bewirbt, hat gute Chancen. Es ist wichtig, dies mit Herzblut vorzutragen und im Anschreiben detailliert zu beschreiben. Ich bevorzuge Unterlagen, die sehr sorgfältig darlegen, worum es eigentlich geht und welchen Nutzen dies für wen hat. Schließlich steckt niemand so tief im Thema wie der Bewerber.

Welche Weichen haben Sie gestellt, um Professorin zu werden?

Bröring: Das, was ich tue, macht mir sehr viel Spaß. Ich denke, Begeisterungsfähigkeit ist in jedem Bereich entscheidend für eine erfolgreiche Karriere.

Ihr Rat für den Nachwuchs lautet also: Folge stets deinem Bauchgefühl!

Bröring: Nicht ausschließlich. Ich denke, es ist immer von Vorteil, einen Plan B vor Augen zu haben. Begeisterungsfähigkeit allein reicht nicht aus, wenn es für die Kompetenz, die man hat, keinen Markt gibt.

Was würden Sie einer Nachwuchskraft empfehlen, um genau das herauszufinden?

Bröring: Ich würde folgenden Rat geben: Verschaffen Sie sich selbst Klarheit über die Dinge, die Sie gut können. Sprechen Sie mit Leuten in Ihrem Netzwerk darüber. Anschließend lässt sich bewerten, ob es sich lohnt, darauf eine Zukunft aufzubauen.

Würden Sie rückblickend in Ihrer Karriereplanung etwas anders machen?

Bröring: Grundsätzlich hat mich jede Station in meinem Leben irgendwie vorangebracht, obwohl ich oft nicht wusste, wohin die Reise geht. Selbst der Abbruch meines Medizinstudiums gehört zu meinem Werdegang dazu und hilft mir heute, an der Schnittstelle von Innovationsmanagement, Forschung und Naturwissenschaft zu arbeiten.

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