Förderpreis

„Ein Qualitätssiegel für die eigene Idee“

Foto: Felix Holland

Unternehmertalent Carsten Gieseler zehrt noch heute von seinem Status als Förderpreisträger. Der Software-Gründer ist mittlerweile gut etabliert in der Agrarbranche. Vor rund drei Jahren wurde er für den Förderpreis der Agrarwirtschaft, den die agrarzeitung verleiht, ausgezeichnet. Er berichtet, wie sehr ihn dies vorangebracht hat.

az: Warum haben Sie sich für den Förderpreis beworben?

Gieseler: Zunächst war mir die agrarzeitung bereits als Student bekannt, weil sie bei uns an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden auslag. Ich wusste, dass sie öffentliche Aufmerksamkeit in der Branche erlangt. Insofern ist ausgezeichneten Förderpreisträgern eine hochkarätige Plattform und ein langfristiges Netzwerk mit Entscheidungsträgern innerhalb des Agribusiness gewiss. Denn während der Verleihung des Preises auf dem Gala-Abend der agrarzeitung trifft sich ein exklusiver Kreis an erfolgreichen Unternehmern und Führungspersönlichkeiten in Agrarkonzernen.

Zur Person
Der 31-Jährige Unternehmer und Vater zweier Kinder hat gemeinsam mit drei Freunden die fodjan GmbH gegründet. Die Software „fodjan smart feeding“ versteht sich als virtueller Fütterungsassistent für den Landwirt und seine Berater. In der Praxis können damit bis zu 10 Prozent der Kosten für die Tierernährung eingespart werden. Darüber hinaus umfasst die Software auch eine Futtergesundheitsbewertung, sodass die Tiere nicht nur optimal gefüttert, sondern auch gesund ernährt werden. Mittlerweile hat das Unternehmen einige weitere Mitarbeiter sowie verschiedene strategische Partner im internationalen Agrarbereich.



Hat es Sie nach der Auszeichnung persönlich und beruflich weitergebracht, Förderpreisträger zu sein?

Gieseler: Ja, sicherlich, weil ich seither zum Gala-Abend gehe, um dort das Stammpublikum zu treffen. Ich war bereits dreimal dort seit meiner Auszeichnung. Die Kontakte zur Industrie und Vorständen bringen enorm viel. Vor Ort habe ich im offenen Gespräch mit höheren Managern über mögliche Kooperationen gesprochen. Wir haben anschließend gemeinsam Dinge in die Wege geleitet. So sind Kontakte zu vielen Unternehmen entstanden und halten bis heute. Außerdem kommt die Auszeichnung – dadurch, dass in der Jury Experten aus der Agrarwirtschaft sitzen – einem Ritterschlag gleich. Es ist quasi ein Qualitätssiegel für das eigene Projekt. Ich fühle mich nach wie vor geehrt und es hat mich darin bestärkt, auf dem richtigen Weg zu sein.


Was raten Sie potenziellen Bewerbern für den Förderpreis?

Gieseler: Wer in der Branche wirklich etwas bewirken will, sollte sich beherzt bewerben. Ich halte es für ein richtiges Ziel am Anfang einer Karriere und es ist weit darüber hinaus ein Ansporn. Junge Agrarier, die mit ihren eigenen neuen Ideen sicherlich auch auf Kritik stoßen, könnten dadurch möglicherweise verunsichert werden. Doch die Auszeichnung bestärkt darin, dass man in die richtige Richtung schaut.

Was kommt bei Ihnen noch?

Gieseler: Ich hoffe, ich kann mit großem Verantwortungsbewusstsein und über viele Jahrzehnte ein Unternehmen führen, das die Agrarwirtschaft voranbringt. Die ausgezeichneten Agrarunternehmer des Jahres haben dabei für mich Vorbildfunktion.

Sie haben als Unternehmer viel Erfahrung in puncto Selbstständigkeit. Welche Eigenschaften sollten Selbstständige haben?

Gieseler: Es braucht definitiv viel Willenskraft, weil einem niemand auf die Finger schaut und sagt ‚Du musst‘. Unter solchen Rahmenbedingungen ist es wichtig, dass einen das eigene Projekt gepackt hat. Ich war beispielsweise in der Schule in Mathematik nicht herausragend, weil mir der Ehrgeiz fehlte, ohne Ziel Aufgaben zu lösen. Dass ich trotzdem gut darin bin, zeigt sich jetzt erst im Beruf. Als Geschäftsführer eines Softwarehauses braucht man ein sehr gutes mathematisches Verständnis und ich denke mir zur Entspannung Algorithmen aus.

In welcher Sparte sehen Sie Potenzial für Gründungen?


Gieseler: Sicherlich bei der Digitalisierung in der Landwirtschaft, weil wir digitale Systeme brauchen, die miteinander ‚sprechen können‘. Vom Landtechnikhersteller bis hin zum Tierarzt – für die Branche wird es immer wichtiger, miteinander zu kommunizieren, um effizient zu sein und den Bürokratieaufwand zu reduzieren. Die Daten beispielsweise zum Antibiotikaverbrauch, die der Tierarzt hat, müssen für das Futtermanagement verfügbar sein. Wenn das Tier plötzlich häufiger krank wird und ersichtlich ist, dass gleichzeitig die Futterration verändert wurde, lässt sich zeitig gegensteuern. Grundsätzlich ist ein guter Zeitpunkt für Gründer in der Agrarwirtschaft, da diese sich jetzt intensiv mit Start-ups beschäftigt. Die Branche setzt, im Gegensatz zum typischen Endkundengeschäft mit Musik, Social Media oder Schuhen, auf langfristige Investitionen und weniger auf schnelle Gewinne. Das könnte Gründern mit Ausdauer entgegenkommen.

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