Frei lesbar: Vivienne Inhuber

"Der Pansen ist eine Blackbox"

Auf Du und Du mit der Kuh: Vivienne Inhuber vor ihrem Forschungsgegenstand.
Foto: Privat
Auf Du und Du mit der Kuh: Vivienne Inhuber vor ihrem Forschungsgegenstand.

Agrarwissenschaftlerin Vivienne Inhuber ist mit dem Jungwissenschaftlerpreis des Verbandes Deutscher Landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten (VDLUFA) ausgezeichnet worden.

Ihre Forschung ist für eine "klimafreundliche" Fütterung von Wiederkäuern relevant.

agrarzeitung: Warum ist Ihr Thema wichtig?

Vivienne Inhuber: Die Rinderhaltung für die Fleisch- und Milchproduktion ist für einen Großteil der Stickstoff-Emissionen verantwortlich. In Deutschland stammten im Jahr 2016 laut Umweltbundesamt rund 80 Prozent der gesamten Lachgas-Emissionen aus der Landwirtschaft. Vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung und dem nachhaltigen Einsatz von Ressourcen steht die Landwirtschaft aktuell stark unter Zugzwang.

Kann die Forschung helfen?

Ein möglicher Ausweg wäre, die Tiere so bedarfsgerecht wie möglich zu füttern, damit weniger überschüssige, stickstoffhaltige Verbindungen ausgeschieden werden. Dies könnte mit einem reduzierten Proteingehalt im Futter bei gleichzeitiger Supplementierung der Ration mit einzelnen, pansenstabilen Aminosäuren gelingen. Diverse Studien zur Milchproduktion, vor allem in den USA und Kanada, sind dazu bereits durchgeführt worden. Im Bereich der Fleischproduktion ist die Datenlage jedoch äußerst gering. Deswegen habe ich Fütterungsversuche mit solchen "klimafreundlichen" pansenstabilen Aminosäuren bei Kälbern gemacht.

Was fasziniert Sie daran?

Die Forschung am Wiederkäuer ist ambivalent. Einerseits ist der Pansen ein beeindruckendes Verdauungsorgan, das es dem Wiederkäuer ermöglicht, aus einer komplexen Futtermatrix wertvolle Nährstoffe für den Stoffwechsel des Tieres bereitzustellen. Der Pansen mit seinen Mikroben fungiert als ‚kleines Dienstleistungsunternehmen‘ für das Tier, welches am Ende wertvolle Lebensmittel für uns produziert. Andererseits stellt der Pansen eine Art ‚Blackbox‘ dar. Dessen Mikrobenzusammensetzung ist von hoher Variabilität geprägt und erschwert es somit, standardisierte Aussagen über dessen Aktivität treffen zu können. Zudem stimmt die Nährstoffzusammensetzung des Futters nicht mit der Nährstoffzusammensetzung am Absorptionsort Dünndarm überein. Dadurch weiß man nicht genau, welche Nährstoffe in welcher Menge dem tierischen Stoffwechsel zur Verfügung stehen. Das stellt die ernährungsphysiologische Forschung vor eine große Herausforderung. Doch genau das macht es sehr spannend.

Dies ist die gekürzte Version eines Artikels aus der Agrarzeitung 38/2019, Seite 11. Wenn Sie den gesamten Text lesen möchten, können Sie ein vierwöchiges kostenloses Probeabo für die Agrarzeitung und agrarzeitung.de abschließen. Abonnenten finden den kompletten Artikel in unserem e-paper. 

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