Gehaltsstudie

Gehalt ist nicht alles

Der Fachkräftemangel spiegelt sich in der Agrarbranche in steigenden Gehältern für Fach- und Führungskräfte wider. Unternehmen müssen sich stärker um die Rekrutierung und Bindung ihrer Mitarbeiter bemühen.

Die Gehälter in der Agrarbranche sind in den vergangenen drei Jahren weiter gestiegen. Die Bezahlung von Geschäftsführern stieg seit 2014 um 13 Prozent auf 124.000 €, ermittelte die Dr. Schwerdtfeger Personalberatung in ihrer aktuellen Gehaltsstudie Agribusiness (siehe Übersicht). Dieser Betrag entspricht allerdings dem Median, somit verdient die Hälfte der Geschäftsführer weniger als 124.000 €, während die andere Hälfe mehr verdient. „Die Ressource Mensch wird immer knapper, der Arbeitsmarkt hat sich zu einem Arbeitnehmermarkt entwickelt“, stellt Dr. Clemens Schwerdtfeger fest. Der Personalberater rechnet damit, dass der demografische Wandel und die älter werdende Gesellschaft in den kommenden Jahren den Fachkräftemangel in den Unternehmen des Agrar- und Lebensmittelsektors verstärken werden.

Geschäftsführer im Agrifood verdienen doppelt so viel wie in der Pflanzenbranche

In der Studie wurden die Gehälter für die Sektoren Agrifood, Agrartechnik, Futtermittel, Pflanze sowie Tierzucht ermittelt. Dabei zeigen sich zum Teil erhebliche Unterschiede. So verdienen Geschäftsführer im Agrifood (171.500 €) und der Agrartechnik (167.000 €) im Durchschnitt wesentlich mehr, als in den Branchen Pflanze (86.000 €), Tierzucht (113.000 €) und Futtermittel (134.000 €) bezahlt wird. Die Unternehmensgröße – bezogen auf die Zahl der Mitarbeiter – hat dagegen einen relativ geringen Einfluss auf die Bezahlung.

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Schwerdtfeger
ist sich sicher, dass die Unternehmen der Agrarbranche sich in den kommenden Jahren verstärkt mit dem Thema Mitarbeiterrekrutierung beschäftigen müssen. Auch die derzeit hohe Anzahl von Absolventen an den Agrarhochschulen könne den Bedarf nicht decken. „Die Absolventen der Agrarhochschulen sind gut und breit ausgebildet, hoch motiviert und leistungsbereit – das wissen auch andere Arbeitgeber außerhalb der Agrarbranche zu schätzen, die vielfach auch besser bezahlen“, warnt der Personalexperte. Allerdings hätten sich Gehälter im Agribusiness denen anderer Branchen angenähert. Als weitere Herausforderung sieht er die Imageprobleme einiger Branchen. Die Summe der Probleme führt dazu, dass schon heute einige Positionen nur nach langwieriger Suche und manchmal auch gar nicht besetzt werden können.

Beim Thema Gehalt müsse berücksichtigt werden, dass das Leben auf dem Land billiger ist als in Ballungszentren. So habe der Verbund Oldenburger Münsterland berechnet, dass die Lebenshaltungskosten für Miete, Nebenkosten, Kfz-Versicherung und Kinderbetreuung für eine vierköpfige Familie im Oldenburger Münsterland rund 40 Prozent niedriger sind als in Hamburg. Die Lebensqualität in ländlichen Regionen sei dagegen besonders für Familien hoch. Dies belegen auch bundesweite Studien zur Zufriedenheit mit den Lebensumständen.

Ein vernünftiges, faires Gehalt sollte mit attraktiven Zusatzleistungen kombiniert werden. „Wir merken zusehends, dass Bewerber nach anderen Dingen fragen“, sagt Schwerdtfeger dazu. Stichworte seien dabei Work-Life-Balance und Vereinbarkeit von Beruf und Familie, attraktive Arbeitszeitmodelle, mehr Flexibilität und die Möglichkeit zum Homeoffice sowie neue, interessante Vergütungsmodelle mit Dienstwagen, Mobiltelefon oder einer attraktiven betrieblichen Altersvorsorge. Insbesondere der Arbeitsplatz vor der Haustür sei begehrt: Die Besetzung einer freien Stelle scheitere nicht selten an der Notwendigkeit zum Ortswechsel, weiß Schwerdtfeger. Hinzu komme, dass Fach- und Führungskräfte heute im Zuge einer wachsenden Internationalisierung der Unternehmen neben expliziten Fachkenntnissen Sprach- und interkulturelle Kompetenzen und eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit mitbringen müssten. „Da klaffen Anforderungen und Wirklichkeit zum Teil auseinander“, beklagt der Personalexperte.

„Die Leistungsbereitschaft von Bewerbern ist groß. “
Dr. Clemens Schwerdtfeger, Personalberatung Schwerdtfeger, 
Im Kontakt mit Großkunden würden ein sicheres, verbindliches Auftreten und überzeugende kommunikative Fähigkeiten erwartet. Da in wachsenden Unternehmen auch weitere Soft Skills wie Team- und Konfliktfähigkeit gefordert werden, bestehe in diesen Bereichen häufig Nachholbedarf. Für Schwerdtfeger ist nicht nur die Ausbildung des Nachwuchses von Bedeutung. Erwogen werden müsse auch, Positionen mit Personal zu besetzen, das nicht aus der Agrarbranche komme. In diesen Fällen sei aber eine Anpassung der Gehälter notwendig, da die Agrarbranche bisher in vielen Bereichen unter dem üblichen Niveau liege.

Schließlich bricht der Personalexperte eine Lanze für die Bewerber. Deren Erwartungen seien ambitioniert und sie könnten sich das auch leisten, weil sie gleichzeitig auch eine hohe Leistungsbereitschaft zeigten. „Viele Personaler der Agrarunternehmen wissen das und kümmern sich verstärkt um Weiterbildungsangebote, Qualifizierungen, Kinderbetreuung“, stellt Schwerdtfeger fest. Notwendig sei ein aktives Arbeitgebermarketing unter dem Motto: Tue Gutes und rede darüber!“

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