Schleswig-Holstein

Hilfe bei seelischer Not

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Psychische Erkrankungen sollten kein Tabuthema sein, auch nicht in der Landwirtschaft. Vor diesem Hintergrund versucht ein Bündnis in Schleswig-Holstein Landwirten, die sich "in besonderen Lagen" befinden, weiterzuhelfen.

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe, die eine sozialökonomische Beratung in Anspruch nehmen, ist aufgrund der Milchkrise 2016 und zuletzt wegen der Wetterextreme gestiegen. Landwirte, die nicht mehr weiter wissen, können in Schleswig-Holstein auf das Hilfsprogramm "Landwirte in Not" zurückgreifen. Neben dem Bauern- und dem Landfrauenverband, der Landwirtschaftskammer und dem -ministerium beteiligt sich auch das Sorgentelefon des kirchlichen Dienstes und die Sozialversicherung für Landwirtschaft (SVLG) an dem vor zwei Jahren gestarteten Programm.

"Die Ursachen für psychische Notlagen sind vielfältig", erklärt Hans Friedrichsen gegenüber agrarzeitung.de. Er ist beim Bauernverband der Ansprechpartner für Landwirte in Not. Neben der Hofübergabe, bei der Meinungsverschiedenheiten und finanzielle Engpässe zu Überbelastung führen können, spiele auch hoher Alkoholkonsum oder gesellschaftlicher Druck eine Rolle in den Beratungsgesprächen. „Man braucht ein gewaltig starkes Nervenköstum, um den Mist der in sozialen Medien kursiert, ertragen zu können“, so Friedrichsen. Psychische Probleme gebe es über alle Altersklassen hinweg, erläutert er aufgrund seiner Erfahrungen. Wichtig ist ihm vor allem, die Anonymität der Teilnehmer zu wahren.

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Laut Friedrichsen vermittelt der jeweilige Ansprechpartner die Landwirte weiter, dies kann auch anonym geschehen. Ansprechpartner sind das Sorgentelefon der Nordkirche, die sozioökonomische Beratung der Landwirtschaftskammer und die Beratung der Versicherung beim Umgang mit Stress sowie die einzelbetriebliche Beratung für Milchviehbetriebe auf Initiative des Ministeriums. 

Hilfreiche Adressen

Im August 2014 hat Landwirtschaftsminister Robert Habeck Professor Edgar Schallenberger als Vertrauensmann für Tierschutz in der Landwirtschaft berufen. Er wird mittlerweile nahezu täglich angesprochen und hat zahlreiche Hofbesuche durchgeführt, um vor Ort zu helfen. In diesem Zusammenhang hat Schallenberger festgestellt, dass Auffälligkeiten in der Tierhaltung nicht zuletzt dann entstehen, wenn Tierhalter – oft unverschuldet – in Notlagen geraten. Die Broschüre listet die Hilfsangebote für Landwirte in besonderen Lagen auf.  Flyer Landwirte in Not

Eine Folge von unbehandelten psychischen Belastungen sind laut SVLFG Frühverrentungen, krankheitsbedingte Fehlzeiten sowie Reha-/Betriebs- und Haushaltshilfeleistungen. 

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