Interview

„Ich will die Arbeit von Landwirten gut kennen“

Masterstudentin Kristina Kube kennt ihr berufliches Steckenpferd – die Tierernährungswissenschaft – bereits. Nichtsdestotrotz hat sie viel ausprobiert, um nach dem Studium die richtige Entscheidung zu treffen.

In Neuseeland hat Kristina Kube Milchviehhaltern über die Schulter geschaut.
Kristina Kube
In Neuseeland hat Kristina Kube Milchviehhaltern über die Schulter geschaut.

az: Was interessiert Sie an der Tierernährung?

Kube: Zu Beginn des Studiums waren die Module Anatomie und Physiologie meine Lieblingsfächer. Mich faszinieren die physiologischen Zusammenhänge und Hintergründe der Tierernährung. Welchen Einfluss haben bestimmte Futtermittel oder die Futterstruktur auf die Mikroben des Verdauungstrakts? Es lässt sich sogar die Proteinsyntheseleistung von Pansenmikroben bei Zufuhr entsprechender Energie- und Nährstoffmengen berechnen.

Zur Person
Die 25-jährige Kristina Kube forscht an der Mikrobiologie von Silagen für ihre Masterarbeit. Im Jahr 2016 hat sie das Masterstudium Tierwissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn begonnen. Zuvor hat Kube dort ihren Bachelorabschluss in Agrarwissenschaften gemacht.

Woher kommt Ihre Begeisterung für die Agrarbranche?

Kube: Mein Vater ist Hufschmied, meine Mutter ist Tierarzthelferin. Da liegt das in der Familie. Durch eine Freundin, die zum Ende meiner Schulzeit Agrarwissenschaften studiert hat, bin ich auf den Studiengang aufmerksam geworden. Während des Studiums hat sich die Begeisterung für die Vielfältigkeit der Agrarbranche dann verstärkt.

Was können Sie mit einem Studium der Tierernährung gegenüber einer Berufsausbildung in der freien Wirtschaft erreichen?

Kube: Ich kann beispielsweise in die Bereiche Produktmanagement oder Produktentwicklung in einem Futtermittelunternehmen gehen. Es ist wichtig zu wissen, wie das Futter im Nutztier wirkt beziehungsweise umgesetzt wird. Schließlich muss ich unter anderem in der Lage sein, Rationen passgenau auf die jeweiligen Bedürfnisse des Tieres auszurechnen. Wer hingegen im Studium einen betriebswirtschaftlichen Schwerpunkt wählt, ist eher geeignet, im Rohstoffeinkauf zu arbeiten.

Haben Sie bereits ein klares berufliches Ziel vor Augen?

Kube: Die Tierernährungswissenschaft ist mein klares Steckenpferd. Und hierfür gibt es zahlreiche berufliche Möglichkeiten – ob in der Forschung an der Universität oder in einem Futtermittelunternehmen oder auch eine Kombination davon. Wie es nach dem Master weitergeht, das halte ich mir derzeit noch offen.

Wie stellen Sie das sicher?

Kube: Ich probiere viel aus. Ich habe sowohl ein Praktikum auf einem Schweinemastbetrieb in Osnabrück als auch eins auf einem neuseeländischen Milchviehbetrieb gemacht. Im Studium lerne ich, was Forschungs- und Laborarbeit bedeutet. Vielleicht möchte ich noch promovieren. Während eines Praktikums beim Deutschen Verband Tiernahrung (DVT) habe ich gelernt, was Verbandsarbeit ausmacht. Daraus ist auch eine Mitarbeit als studentische Hilfskraft entstanden.

Was haben Sie beim DVT gelernt?

Kube: Ich habe am Futtermittel-Tabellarium, das der DVT jährlich veröffentlicht, mitgearbeitet. Es zeigt unter anderem, wie viel Futtermittel in welchem Bundesland und für welche Tierart eingesetzt wurden. Außerdem recherchiere ich zu unterschiedlichen Themen und arbeite den verschiedenen Mitarbeitern fachlich zu, auch in so spannenden Bereichen wie Futtermittelrecht oder Öffentlichkeitsarbeit für die Branche.

Was ist Ihnen für Ihre berufliche Laufbahn besonders wichtig?

Kube: Ich wollte die Tierhaltung immer selbst erleben, damit ich weiß, wovon ich rede und einen praktischen Bezug habe, falls ich später in einem Unternehmen der Futtermittelindustrie beratend tätig bin.

Was raten Sie rückblickend einem Studienanfänger?

Kube: Es ist hilfreich, die Arbeit von Landwirten bereits vor dem Agrarstudium zu kennen. Dazu kann man gut die Zeit zwischen Abitur und Studium nutzen. Dann versteht man Zusammenhänge besser, die im Lehrplan auftauchen. Beispielsweise ist es für das Modul Agrartechnik hilfreich, wenn man weiß, wie eine Sämaschine funktioniert.

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