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Der 20-jährige Mathias Dirmeier stammt aus einer kleinen Dorfgemeinde in Bayern. Praktische Erfahrung hat er  in Australien gesammelt. Die Unterschiede zur deutschen Landwirtschaft sind immens.

"Der Traum nach den unendlichen Weiten des australischen Kontinents war groß", berichtet Dirmeier, den es wegen der Faszination für das ferne Land im vergangenen Oktober für ein Praktikum mit der Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) auf die Gleeson Farm im südlichsten Bundesstaat Victoria zog. "Die Farm der Gleesons ist gigantisch", zeigt sich Dirmeier beeindruckt. "Mit 18 000 Hektar gibt es nichts Vergleichbares in Deutschland." Das Ackerland nutzen die Farmer und Brüder Tim und Richie Gleeson für den Anbau von gängigen Getreidesorten, darunter Weizen und Gerste, sowie von Ölpflanzen wie Raps. Darüber hinaus finden Exoten, zumindest aus deutscher Perspektive, wie Kichererbsen und Linsen ihren Platz. Australien und Indien sind nämlich weltweit führend in der Produktion der wärmeliebenden Kichererbsen.

Rund um die Uhr sind die Helfer im Einsatz

Und noch etwas läuft auf der Südhalbkugel grundlegend anders: die Ernte. Sie startet entsprechend erst im November. Also genau zur Ankunft des Praktikanten Dirmeier. Mitte November ging es mit Weizen los, bis zur Weihnachtszeit. "Für Landwirte ist dies ja ohnehin die stressigste Zeit, aber auf solch einem riesigen Betrieb war es eine besonders große Herausforderung", schildert Dirmeier seine Erlebnisse. Sieben Erntehelfer, allesamt ausländische Praktikanten, haben abwechselnd in Tag- und Nachtschichten auf dem weitläufigen Areal bei der Ernte unterstützt. "Anders wäre es gar nicht zu bewältigen gewesen, die Ernte einigermaßen zeitgleich vom Feld zu holen."

Dirmeier, der seine dreijährige landwirtschaftliche Ausbildung bereits vor seinem Aufenthalt abgeschlossen hatte, hat besonders die technische Ausrüstung der Gleesons beeindruckt. Neben der Mannschaft muss dort nämlich auch die Technik besonders schlagkräftig sein. "Die Gleesons besitzen drei Schlepper. Zwei baugleiche Case IH Quadtracs 620 mit rund 700 PS und ein New Holland T7 mit 250 PS. Die beiden PS-starken, roten Ackergiganten zählen zu den stärksten Zugmaschinen der Welt", berichtet der technikbegeisterte Dirmeier.

Die Maschinen seien vor allem für die Aussaat und den Transport des geernteten Getreides im Einsatz gewesen. "Da kamen pro Stunde bis zu 30 Tonnen zusammen. An einem guten Tag haben zwei Drescher 400 Hektar geschafft." "Zeiteffizienz wurde dort wirklich groß geschrieben", erzählt Dirmeier. Um das Getreide möglichst schnell zum Feldrand transportieren zu können, waren ständig zwei Überladewagen mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 70 Tonnen Getreide im Einsatz. Im Gegensatz zu Landwirten in Deutschland besitzen die beiden australischen Landwirte allerdings gar kein Silo. Das Getreide wird direkt am Feldrand in Plastikschläuche gepresst, die jeweils rund 280 t fassen.

Hightech im Outback

Der New Holland T7 hingegen wurde auf dem Hof meist für den Transport von Heuballen oder zum Spritzen von Herbiziden, Insektiziden sowie Fungiziden eingesetzt. Ähnlich den Entwicklungen in Deutschland nutzen die Gleesons Technik, die Spritzmittel spart. Dazu dienen zwei Sensorspritzen mit einer Arbeitsbreite von jeweils 24 m. "Der Vorteil liegt darin, dass nur dann gespritzt wird, wenn durch die Sensoren eine grüne Pflanze erkannt wird. Dies spart nicht nur erhebliche Kosten von Pflanzenschutzmitteln, es reduziert auch die Gefahr der Resistenzbildung." Allerdings habe der Einsatz von Glyphosat "bei Weitem einen höheren Stellenwert als in der deutschen Landwirtschaft". Der Boden wird gar nicht bearbeitet. Gerade die Ackerfrüchte in Australien können von Trockenheit stark gebeutelt werden. "Glücklicherweise haben die Gleesons in ein Schneidwerk mit hydraulischer Bodenanpassung investiert", weiß Dirmeier. "2018 herrschte auch dort große Trockenheit. Die Kulturen mussten unweit des Bodens getrennt werden, um alle Schoten mitzunehmen."

Weil der Betrieb sich keine Standzeit für Reparaturen leisten kann, wechseln die Gleesons alle drei Jahre ihre Technik. Im vergangenen Jahr fiel die Ernte aber so mager aus, dass die Maschinen noch eine Saison länger durchhalten müssen. Australische Farmer ernten ohnehin sehr viel weniger als deutsche. "Während Gerstenerträge in Europa durchschnittlich zwischen 6 und 8 Tonnen liegen, erzielten wir 2018 im Schnitt rund eine Tonne pro Hektar", berichtet Dirmeier. Allerdings betreiben die australischen Farmer kaum Aufwand und halten so die Produktionskosten gering. Hinzu kommt, dass der Preis für eine Tonne Gerste mittlerweile auf über 400 Australische Dollar gestiegen ist, das sind umgerechnet rund 250 €. Dirmeier macht den Eindruck, die Unterschiede in den Produktionsweisen, die mit den teilweise widrigen Bedingungen einhergehen, tief verinnerlicht zu haben. "Dieses Erlebnis will ich auf keinen Fall missen", bekennt er. Zurück in Regensburg, unterstützt er seinen Vater auf dem elterlichen Familienbetrieb – und ab September wird er für zwei Jahre die Technikerschule in Triesdorf besuchen.

Förderung im Ausland
Den Praktikumsaufenthalt in Australien, inklusive Visum organisiert die Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbands gemeinsam mit der australischen Partnerorganisation IRE. Für die Arbeit auf dem Betrieb wurde Mathias Dirmeier mit rund 20 AUD-$/Stunde entlohnt. An Sonntagen erhielt er einen Aufschlag von 150 Prozent. Zusätzlich fördert das Bundeslandwirtschaftsministerium jeden Praktikanten der Schorlemer Stiftung. Laut Dirmeier ist die Höhe von der Anzahl der Auslandspraktikanten pro Jahr abhängig. Es ließe sich mit einem Betrag zwischen 600 und 800 € rechnen.

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