Künstliche Intelligenz

Computer schreibt den Einkaufszettel

Jakob Breuniger und Valentin Belser (v.l.) kämpfen mit ihrem Start-up erfolgreich gegen Lebensmittelverschwendung.
Bild: Noyanum
Jakob Breuniger und Valentin Belser (v.l.) kämpfen mit ihrem Start-up erfolgreich gegen Lebensmittelverschwendung.

Mit künstlicher Intelligenz wirken die Gründer des Start-ups noyanum Lebensmittelverschwendung in Großküchen entgegen. Die Software hilft bei der Einkaufs- und Produktionsplanung.

Linsen mit Spätzle sind ein beliebtes Gericht in der schwäbischen Küche. Regelmäßig steht dies auf der Mensa-Speisekarte der Universität Stuttgart. "Hoppla", dachte der 28-jährige Valentin Belser eines Tages, als die Kantinen-Küche, wohlgemerkt kurz vor Schließung, noch Spätzle und Linsen im Überfluss im Angebot hatte. "Mir kam sofort der Gedanke, dass die Küchenleitung in einer Großküche, die für mehrere Tausend Menschen planen muss, es schwer hat. Und anscheinend zwangsläufig bei den Einkaufsmengen häufiger daneben liegt."

Was für eine Lebensmittelverschwendung. Belser, der einen Masterabschluss in Luft- und Raumfahrttechnik der Universität Stuttgart in der Tasche hat, gründete daraufhin gemeinsam mit seinem Kollegen, dem 26-jährigen Informatiker Jakob Breuninger, das Start-up noyanum. Der Lebensmittelverschwendung in Großküchen wirken die beiden mit künstlicher Intelligenz entgegen. Die von ihnen entwickelte Software prognostiziert, wie viele Speisen von den Gästen gekauft werden, um so den Einkauf zu optimieren und Überproduktion zu vermeiden.

"Unsere künstliche Intelligenz analysiert das historische Einkaufsverhalten der Gäste und verknüpft diese Information mit externen Faktoren wie aktuellen Wetterprognosen, Angaben zur vorlesungsfreien Zeit, Feier- oder Brückentagen", erklärt Belser. Bisher integrieren Küchenleiter diese Faktoren zwar in ihre Planung, aber die Kalkulation sei aufwendig und nicht immer genau.

Starkes Wachstum erwartet

Dass das marktreife Produkt funktioniert, hat das Team schon bewiesen. "Aktuell ist die Software an rund 35 Mensen und Kantinen im Einsatz. In einer Pilotstudie wurde eine Verbesserung der Planungsgenauigkeit von 40 Prozent erzielt", sagt Belser.

Belser und Breuninger, die zurzeit im Gründerzentrum der Technischen Universität München, an der Breuninger studiert hat, ihr Projekt weiterverfolgen, wollen in diesem Jahr im Bereich Gemeinschafts- und Systemgastronomie "stark wachsen". Dafür führen diese gerade eine Finanzierungsrunde durch und suchen nach neuen Mitarbeitern. "Mittlerweile arbeiten wir in Vollzeit für noyanum", bekennt Belser, der sich ursprünglich vorstellen konnte, zu promovieren. Breuninger kennt er seit Beginn seines Bachelorstudiums, das beide in Stuttgart absolviert haben.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats