Landwirtschaftliches Austauschprogramm

Von Ostfriesland nach Ostafrika

Ein Herz für Rinder: In Uganda betreute Hendrik Wallrichs eine Herde der für die Region typischen Ankolerasse.
Foto: Hendrik Wallrichs
Ein Herz für Rinder: In Uganda betreute Hendrik Wallrichs eine Herde der für die Region typischen Ankolerasse.
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Die Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) bietet jungen Berufstätigen und Studierenden aus der Agrarbranche die Möglichkeit zu Auslandspraktika. Neben „klassischen“ Austauschländern vermittelt die Stiftung auch Praktikumsplätze in Japan und Uganda.

Hendrik Wallrichs ist Ende Oktober von seinem dreimonatigen Praktikum aus der Region Ankole im Südwesten Ugandas nach Deutschland zurückgekehrt. Der 25-Jährige studiert Agrarwirtschaft an der Fachhochschule Kiel und hat gerade seine Bachelorarbeit abgeschlossen. 2019 absolvierte er bei der Andreas-Hermes-Akademie, die auch mit der Schorlemer Stiftung kooperiert, eine Trainerschulung. Im darauffolgenden Jahr begleitete er ein internationales Projekt mit der ugandischen Partnerorganisation „Young Farmers Federation of Uganda“ (UNYFA) und dem kenianischen Bauernverband. Das weckte bei ihm das Interesse, selbst drei Monate in Ostafrika zu verbringen, um die tropische Landwirtschaft, die Kultur und das tägliche Leben vor Ort kennenzulernen.

Aufgewachsen ist Hendrik Wallrichs auf einem Milchviehbetrieb in Ostfriesland. Er hält selbst eine eigene Mutterkuhherde. „Mein Herz schlägt einfach für Rinder“, sagt der Student im Gespräch mit der agrarzeitung. So war für ihn klar, dass er in Uganda auf einem Milchviehbetrieb arbeiten will. Ein Mitglied seiner Gastfamilie hatte bereits 2019 im Zuge des Austauschprogramms drei Monate in Deutschland verbracht. Mit 100 Ziegen, 250 Rindern, gut 120 ha Weidefläche und sechs Angestellten gehört der Betrieb, auf dem Hendrik sein Praktikum absolvierte, für ugandische Verhältnisse zu den größeren und wohlhabenderen.

Das „International Young Farmers Exchange Program“ (IYFEP)
Die Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) führt seit 2019 im Rahmen der Sonderinitiative „Eine Welt ohne Hunger“ ein vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördertes Austauschprogramm mit Uganda durch. Das Programm richtet sich an junge Berufstätige und Studierende aus den Bereichen Landwirtschaft, Gartenbau und Weinbau mit abgeschlossener Ausbildung oder mindestens vier Semestern Studium sowie mehrwöchiger Praxiserfahrung. Die Praktika dauern jeweils drei Monate in den Zeiträumen April bis Juni oder August bis Oktober. Anmeldeschluss für die April-Ausreise ist jeweils der 31. Januar, für die August-Ausreise der 31. Mai. Die Programmgebühr beträgt einmalig 995 €. Darin enthalten sind Seminare, Fahrt- und Flugkosten sowie eine Auslandskranken- und Unfallversicherung. Alle Teilnehmer erhalten während des Praktikums freie Kost und Logis sowie ein monatliches Taschengeld.
Detaillierte Informationen gibt es hier.

Von Generation zu Generation weitergegebene Traditionen

Typisch für den Südwesten Ugandas sind die ursprünglichen Ankolerinder mit braun-roter Haut und riesigen, leicht geschwungenen Hörnern. Sie sind sehr robust und können mit den hohen Temperaturen und verschiedenen Krankheitserregern gut umgehen. In die Ankolerinder wurde in den 1980ern die Rasse Holstein-Frisian eingekreuzt, um die Milchleistung zu steigern, wodurch aber auch ein Teil der Robustheit verloren ging. „Die Tiere müssen regelmäßig gegen Zecken eingesprüht werden, die Krankheiten – unter anderem das Eastcoast Fever – übertragen“, erklärt Hendrik. „Medikamente machen so einen Großteil der Betriebskosten aus.“

Das Geld kann dafür wieder an anderen Stellen eingespart werden. Die Rinder grasen die meiste Zeit auf der Weide, Ställe werden faktisch nicht benötigt. Es wird überwiegend mit der Hand gemolken. Das hängt aber nicht nur mit der Infrastruktur und vergleichsweise niedrigen Löhnen zusammen, sondern ist auch eine von Generation zu Generation weitergegebene Tradition. „Dies spiegelt die Verbindung zu den Vorfahren und zur Natur wider“, sagt Hendrik. Die Rinder sind stark in der lokalen Kultur verankert. Noch heute werden Ansehen und Wohlstand einer Person in Kühen gemessen.

Die Art des Zusammenlebens wird auch bei der Tradition des Verschenkens von Rindern deutlich. Es ist üblich, zu festlichen Anlässen eine Kuh oder einen Ochsen zu verschenken. Der Beschenkte gibt dann ein Tier zurück, nachdem zwei Mal Nachkommen auf seiner Farm geboren wurden. „Dieser Ausgleich stellt das Gleichgewicht wieder her und gibt gleichzeitig die Chance, sich die Herde aufzubauen. Insbesondere in Krisenzeiten hat dies auch einen praktischen Grund, da so der Landwirt seinen Bestand sichern kann“, so Hendrik Wallrichs.

Landwirtschaft und Kultur leben von ihrer Vielfalt

Die Milchleistung hängt in Ostafrika sehr vom Futterangebot ab – und dieses wiederum von den Niederschlägen. „Als ich in Ankole war, ging die Trockenzeit in die Regenzeit über. Da konnte man bemerken, dass die Milchleistung deutlich zunahm.“ Dadurch fiel aufgrund des Überangebots der Milchpreis, da Uganda kaum Milchprodukte exportiert. Trotzdem sieht Hendrik diese Umstände als einen Segen für die ugandische Landwirtschaft. „Es gibt keinen Winter, und somit wächst immer etwas. Man muss sich also nicht allzu viel Gedanken um Futtervorräte machen.“ Für Futtermangel sei eher der ausbleibende Regen als die Vegetationspause wie in der nördlichen Hemisphäre verantwortlich.

In Uganda leben Landwirtschaft und Kultur vor allem von ihrer Vielfalt. In dem ostafrikanischen Binnenstaat gibt es mehr als 50 verschiedene Ethnien mit unterschiedlichen Traditionen und Sprachen. Die meisten sprechen neben ihrer Muttersprache zusätzlich Englisch als Amtssprache. Wer nicht unbedingt auf einem Milchviehbetrieb arbeiten will, aber sich für die tropische Landwirtschaft interessiert, kann sein Praktikum auch auf einer Plantage für Maracuja, Bananen oder Kaffee absolvieren. „Man muss offen für neue Kulturen sein“, meint Hendrik. „Ich kann es jedem nur ans Herz legen, auch mal über den Tellerrand hinauszublicken, um andere Eindrücke zu bekommen. Mein Appell lautet daher: Nehmt diese einmalige Chance wahr und beteiligt euch an dem Projekt.“

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