Ausbildung

Molkereien bieten gute Berufsaussichten

Die Ausbildung im Molkereisektor eröffnet vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten. Nach der Ausbildung führt der Weg beispielsweise über ein Studium in leitende Positionen. Wer einen Lehrvertrag mit einer Molkerei abschließt, sollte sich vorher gut überlegen, welcher Betrieb die richtige Perspektive bietet.

Eine gute Nachricht zuerst: Es gibt kein Überangebot an Berufseinsteigern bei den Milchtechnologen und den Milchwirtschaftlichen Laboranten. Die Auszubildenden können sich also nach Abschluss ihres Lehrvertrags bei einer Molkerei quasi sicher sein, dort auch nach der Ausbildung übernommen zu werden. Sie werden nicht für den Markt ausgebildet, sondern meist für ein bestimmtes Unternehmen.

Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, sich bereits vor der Ausbildung zu überlegen, ob man lieber in einer kleinen oder größeren Molkerei Fuß fassen möchte. Die großen Molkereien wie etwa Arla Foods und Deutsches Milchkontor lehren ihre Auszubildenden längst Kompetenzen, die in einer automatisierten Umgebung mit industriellen Prozessabläufen gebraucht werden. Programmierkenntnisse erlangen die Auszubildenden quasi direkt in der Molkerei im dualen Ausbildungssystem. Diese Kenntnisse sind in einer „Milchfabrik“, deren Logistik internationale Warenströme managt, unverzichtbar. Das Produkt muss, ob Käse oder Milch, in gleichbleibender Qualität an den Lebensmitteleinzelhandel geliefert werden.

In kleineren Molkereien – wie der Gläsernen Molkerei, die lediglich zwei Standorte hat – lernen die Auszubildenden zusätzlich zu den technischen Abläufen das Handwerk und den Reifeprozess in einer Käserei oder Butterei kennen. Dieses Gespür für den Reifegrad von Käse sehen Mitarbeiter der Gläsernen Molkerei als hohes Gut an, weil es in standardisierten Ausbildungen verloren gegangen sei.

Da den Molkereien sehr daran gelegen ist, die Auszubildenden auch nach Abschluss der Lehre zu halten, stehen sie als Betriebe stark unter Druck. Es gilt, ein attraktives Arbeits- und Ausbildungsumfeld zu schaffen. Schwierig wird es für die Molkereien besonders dann, wenn sie nicht genügend Milchtechnologen und Milchwirtschaftliche Laboranten finden und nach Abschluss der Berufsausbildung eine Lücke entsteht.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat jüngst knapp 100 Molkereiabsolventen in den Berufen des Milchtechnologen und des Milchwirtschaftlichen Laboranten verabschiedet. Der Zuständige für die überbetriebliche Ausbildung, Rudolf Niehues, und der Leiter des Instituts für Lebensmittelqualität, Dr. Helmut Steinkamp, betonen, dass die Möglichkeiten zur Weiterbildung vielfältiger seien, als es zunächst den Anschein habe. Laboranten könnten Lebensmitteltechnologie oder Ökotrophologie studieren und die Laborleitung oder die Leitung des Qualitätsmanagements übernehmen. Die DMK Group teilt hierzu mit, dass, wer sich nach der Ausbildung zum Milchwirtschaftlichen Laboranten für ein Studium entscheide, diesem nach Rückkehr ins Unternehmen der Weg in eine leitende Position offen stünde. Darüber hinaus haben Mitarbeiter die Möglichkeit, sich für das Weiterbildungsprogramm „IWB“ der DMK Group zu bewerben. Nach einem Auswahlprozess werden berufsbezogene oder universitäre Weiterbildungen unterstützt.

Ausbildungsexperte Steinkamp glaubt, eine Karriere in einem mittelständischen Unternehmen könne leichter gelingen als bei den großen Playern. Das Engagement werde dort höher bewertet, weil sie viel näher am Markt agieren. Wer im Ausland arbeiten möchte, solle eher die international agierenden Unternehmen wählen, obwohl entsprechende Positionen laut DMK Group rar sind.

Als Milchtechnologe mit zusätzlicher Ausbildung zum Meister, die berufsbegleitend erworben werden kann, hat man gute Chancen auf eine erfolgreiche Selbstständigkeit. Und wer der Milchindustrie irgendwann den Rücken kehren möchte, sei sehr gut für viele Bereiche der Lebensmittelwirtschaft ausgebildet, schätzen die Ausbildungsexperten der LWK Niedersachsen. Sowohl bei Feinkost, Speiseeis und Saftverarbeitung seien die Prozesse ähnlich. Mittlerweile haben rund 50 Prozent der Laboranten und 30 Prozent der Technologen Abitur. Der Rest hat meist Realschulabschluss. Eine Vorliebe für naturwissenschaftliche Fächer ist Voraussetzung.

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