Molkereiausbildung

„Hey, ich hab‘ Dir nichts getan“


Molkereimeisterin Anna Cloppenburg will mit einer offenen Art Akzente in ihrem Team setzen. Die 26-jährige lernt seit ihrer Ausbildung vor zehn Jahren immer noch gerne dazu. Als Teamleiterin einer Butterei im Deutschen Milchkontor bezeichnet sie sich als streng, aber fair. Die junge Frau versucht ihr Team durch wertschätzende Kommunikation zu motivieren.

az: Sie haben milchwirtschaftliche Laborantin gelernt und sind nun mit 26 Jahren Teamleiterin. Ist das üblich?

Cloppenburg: Ich hatte bestimmt auch ein wenig Glück, weil eine Stelle nach meiner Meisterausbildung frei wurde. Mein Arbeitgeber hatte mir vor der Meisterausbildung nicht zugesichert, dass ich anschließend eine leitende Funktion übernehmen kann. Entscheidend war wohl, meinen Wunsch nach mehr Verantwortung für das Personal offen ausgesprochen zu haben. Wichtig ist allerdings, einen Meister in der Tasche zu haben, sonst vergibt die DMK Group die Position des Teamleiters auch an externe Bewerber.
Zur Person
Die 26-jährige Molkereimeisterin Anna Cloppenburg wuchs mit Kühen, Bullen und Schweinen auf dem Hof der Eltern in Niedersachsen auf. Nach ihrem Realschulabschluss hat sie eine Ausbildung zur milchwirtschaftlichen Laborantin bei der DMK Group Werk Edewecht begonnen. Nach dreijähriger Arbeit als Gesellin machte sie im Jahr 2015 ihren Molkereimeister bei der Lufa in Oldenburg. Seither ist sie Teamleiterin Produktion für die Abteilung Butterei im Werk Edewecht.


Was glauben Sie, schätzt Ihr Arbeitgeber an Ihnen?

Cloppenburg: Ich gehe nicht mit hoch erhobener Nase durch die Produktion und gebe schulmeisterliche Anweisungen. Ein Gespür für die Belange meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entwickeln ist mir wichtig und es strengt mich nicht an. Außerdem bin ich ehrlich und spreche aus, wenn mir etwas nicht passt. Bei meinem Abteilungsleiter stoße ich mit dieser Art auf offene Ohren. Ich versuche wirklich darauf zu achten, dass in meinem Team ein Gleichgewicht zwischen Leistung und Menschlichkeit besteht.
„Ich suche die goldene Mitte zwischen Ja- und Nein-Sagen. “
Anna Cloppenburg, Teamleiterin Butterei, 


Das klingt sehr reif und reflektiert. Stoßen auch Sie manchmal an Ihre Grenzen? Besonders als junge Frau, die ältere männliche Kollegen anleiten muss?

Cloppenburg: Die Maschinenfahrer haben Respekt vor mir, im Positiven. Ich sage dann schon einmal, wenn jemand schlecht drauf ist und einen raueren Ton vertragen kann: ‚Hey, ich hab‘ Dir nichts getan. Warum bist Du heute so?‘. Meist sind sie dann redebereit und schildern ihre Probleme, die ich wiederum ernst nehme. Wenn es wirklich ums Eingemachte geht und zum Beispiel ein Audit ansteht, wissen alle: Jetzt müssen wir an einem Strang ziehen. Unterm Strich ist es wichtig, die goldene Mitte zwischen Ja- und Nein-Sagen zu finden, damit einem niemand auf der Nase herumtanzt.

Warum fällt Ihnen das so leicht? Wurden Sie dahingehend von Ihrem Arbeitgeber ausgebildet?

Cloppenburg: Während der Meisterschule habe ich ein vierwöchiges Seminar zur Mitarbeiterführung besucht. Allerdings hat mich die langjährige Berufserfahrung im Team viel eher geschult. Ich weiß, es passieren Fehler, wenn man nicht miteinander spricht. Außerdem liegt es in meiner Natur, relativ offen, direkt und wertschätzend zu kommunizieren.

Was tun Sie, um die richtige Entscheidung zu fällen?

Cloppenburg: Ich höre auf mein Bauchgefühl, auch wenn der Kopf etwas anderes sagt. Wenn ich mehr Zeit habe nachzudenken, suche ich auch den Rat meiner Familie und von Freunden. Beispielsweise überlege ich derzeit, ein Fernstudium für Lebensmitteltechnik zu beginnen. Einige raten mir davon ab, weil es neben meinem Beruf zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Es ist für mich wichtig abzuwägen, ob sie recht haben. Am Ende stelle ich mir allerdings die Frage: ‚Was möchte ich?‘.

Warum denken Sie darüber nach, ein Fernstudium anzufangen?

Cloppenburg: Mich interessiert Lebensmitteltechnik. Ich möchte mein Wissen vertiefen, um noch mehr Durchblick zu bekommen. Bei DMK wäre der nächste Schritt, eine Position als stellvertretende Abteilungsleiterin zu übernehmen. Das würde bedeuten, dass ich noch tiefer in die Produktionsplanung einsteige und beispielsweise Personal einstellen kann. Bisher bin ich zwar bei jedem Mitarbeitergespräch dabei, trotzdem darf ich nicht entscheiden. Das würde ich aber gerne. Auch die Produktentwicklung ist mit dieser Ausbildung eine sehr interessante Abteilung, ich bin gespannt, was die Zeit bringt.

Wie sieht Ihr klassischer Arbeitsalltag denn derzeit aus?

Cloppenburg: Ein klassischer Tagesablauf in der Produktion sieht wie folgt aus: Ganz früh am Morgen, genaugenommen um kurz vor sechs, beginne ich mit der Urlaubs- und Mitarbeiterplanung. Anschließend werden Muster für den Versand und Proben für die Qualitätssicherung zur Einhaltung und Überwachung der Produktionsstandards genommen. In Abstimmung mit den Kollegen erfolgt dann die Umsetzung der Personal- und Produktionsplanung.

Sie sind unter anderem auch für riesige Produktionsmengen verantwortlich. Wann haben Sie mal gezittert, weil etwas schief lief?

Cloppenburg: Einmal habe ich im Schichtplan eine Schicht vergessen einzuplanen. Also gab es an diesem Tag einen Produktionsausfall – glücklicherweise konnten wir die Schicht am Ende anhängen, da die Anlage keine 24 Stunden durchlief, was bei uns auch durchaus der Fall ist. So konnten wir höhere Unkosten vermeiden, da die Menge noch nachproduziert wurde.




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