Personalführung

Diversität? Fehlanzeige!


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Der Report der deutsch-schwedischen Allbright-Stiftung stellt fest: Die 100 größten Familienunternehmen in Deutschland sind oft Männerclubs.

So viel vorweg: Dieser Bericht erhebt keinen Anspruch darauf, die komplexe Realität und ein nicht minder vielschichtiges Problem in allen Facetten zu analysieren. Aber legen wir einfach mal los: Der Report der Allbright-Stiftung, um den es hier geht, hat bereits einen verheißungsvollen Titel: „Die deutschen Familienunternehmen: Traditionsreich und Frauenarm“. Die unabhängige, deutsch-schwedische Stiftung zur Förderung von Diversität in Führungspositionen hat die 100 größten Familienunternehmen hierzulande darauf untersucht, wie viele Frauen in Top-Gremien wie Geschäftsführung, Aufsichts- oder Verwaltungsrat zu finden sind.

Darunter befinden sich die beiden Granden des Lebensmitteleinzelhandels Aldi Nord und Aldi Süd, der Süßwarenhersteller Haribo, der Schlachtgigant Tönnies, die Oetker-Gruppe und der Landmaschinenhersteller Claas. Also durchaus auch Unternehmen aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie verwandten Wirtschaftsbereichen. Claas taucht dabei als Positivbeispiel auf: Zum Stichtag 1. März 2020 verzeichnet der Allbright-Report in den 100 größten Familienunternehmen in Deutschland nur drei Frauen unter den Aufsichtsratsvorsitzenden. Dazu zählt Catharina Claas-Mühlhäuser bei Claas in Harsewinkel. Im Mischkonzern Henkel bekleidet Simone Bagel-Trah dieses Amt immerhin seit zwölf Jahren; weitere Chef-Aufseherin ist Bettina Würth beim gleichnamigen Schrauben- und Dübelspezialisten in Künzelsau. Eigentlich kein typisches Berufsumfeld für Frauen, wenn man beziehungsweise frau Klischees folgen möchte. Gilt übrigens auch für die Landtechnik.

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Ein (männlicher) Geschäftsführer aus dieser Branche hat unlängst geäußert, man würde ja gerne mehr Frauen Karrierechancen eröffnen – nur leider halte sich deren Interesse an Traktoren und Co bislang in Grenzen. Passend dazu zählt Claas zu den Unternehmen mit großen Geschäftsführungsteams von fünf und mehr Personen – aber darunter keine Frau. Solche Männerclubs stellt die Allbright-Stiftung allerdings auch bei Bosch, Deichmann, Hubert Burda Media, Haribo oder Miele fest. „Diversität wird unsere Gesellschaft dauerhaft prägen, doch von der Vielfalt in der Gesellschaft kommt in den Führungsetagen der Familienunternehmen heute so gut wie nichts an“, heißt es dazu in dem Report. Die strategische Ausrichtung großer Familienunternehmen sei von den Werten und Prioritäten einer starken Eigentümerfamilie bestimmt und nicht – wie bei börsennotierten Unternehmen – vom Kapitalmarkt und Investoren.

Bei börsennotierten Firmen wirkt immerhin die Transparenz, oder, weniger wohlwollend formuliert, der öffentliche Druck: „Der Frauenanteil in den Geschäftsführungen börsennotierter Familienunternehmen ist mit 10,3 Prozent höher als in den 80 Familienunternehmen, die nicht börsennotiert sind, dort liegt er bei nur 5,9 Prozent“, heißt es dazu im Allbright-Report. Und warum setzen sich Frauen in den Topetagen der Familienunternehmen nur selten durch? Vertrauen und Loyalität gingen bei der Rekrutierung der Spitzenkräfte über „kurzfristige Gewinnmaximierung“. So weit, so positiv? Nun ja: „Persönliche, teils sehr exklusive Netzwerke, in denen kaum Frauen vorkommen“, spielten bei der Besetzung der Geschäftsführung ebenso eine große Rolle wie eine „tradierte, immer gleiche Rekrutierungsschablone“.

1 Kommentar

  1. Hans-Heinrich Rieser
    Erstellt 22. Juni 2020 17:21 | Permanent-Link

    Sehr geehrte Damen und Herren!

    Familienunternehmen werden doch von Familien geführt - oder? Und gerade in Unternehmerfamilien haben Frauen nach meinen bescheidenen Erfahrungen durchaus großen Einfluß - wenngleich zugegebenermaßen auch in der Regel aus dem Hintergrund. Das mag bei positiven Außenreaktionen schon ein Nachteil sein, weil frau nicht im Rampenlicht steht; bei negativen ist es aber sicher nicht gerade unangenehm.

    Ich fürchte, solche Studien helfen den Frauen herzlich wenig auf dem Weg in eine reale Gleichwertigkeit in allen gesellschaftlichen Belangen. Und Familien, in denen es ja oft einen inneren Ausgleich gibt, erst recht nicht.

    Mit freundlichen Grüßen

    Hans-Heinrich Rieser (Leider (!?) wieder nur ein Mann!)

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